Lockdown

JÄGER DER VERLORENEN EIER

Alle Jahre wieder stellen unsere Kinder die gleichen Fragen rund um Ostern, die bunten Eier und den Osterhasen, der – neben dem Osterlamm – als wichtigstes Symbol des Festes gilt.

Laut Brauch bemalt das Langohr die Eier und versteckt diese im Garten und taucht ebenso als niedliche Figur aus Schokolade in den Geschäften zur Osterzeit auf.

Doch woher kommt dieser Brauch? Und wieso bringt ausgerechnet ein Hase die Eier?

Diese Fragen beantworte ich in meinem Artikel. Außerdem erfahren Sie, was passiert, wenn die Ostereier verloren gehen.

Und was hat das mit dem Einzelhandel und dem E-Commerce zu tun?

Ostereiersuche im Garten

Warum gerade ein Hase?

Wie der Hase zu einem profanen Ostersymbol geworden ist, zeigt ein Blick in die Kulturgeschichte:

Er kommt zwar weder in der österlichen Liturgie noch im religiösen Brauch um das Osterfest vor, dennoch taucht Meister Lampe seit Jahrhunderten über Länder- und Religionsgrenzen hinweg als Symbolfigur auf.

Schon in der Antike galt der Hase wegen seiner Fruchtbarkeit als Sinnbild für Lebenskraft und Wiedergeburt. Im Alten Ägypten stand er als Attribut des Mondgottes Thot für den Neuanfang.

Daraus erschließt sich eine Verbindung zum Osterfest, denn in der byzantinischen Kirche steht der Hase als Symbol für die Auferstehung. Weil er als Fluchttier häufig mit offenen oder halbgeschlossenen Augen ruht, lieferte er das Bild dafür, dass Jesus durch seinen Tod am Kreuz nicht entschlafen, sondern im Leben geblieben ist.

Es verwundert daher nicht, wenn sich Hasen als Zeichen ewigen Erwachens auf frühchristlichen Mosaiken und Gräbern finden.

Change

Warum bunte Ostereier?

In der chinesischen Kultur war es bereits vor 5.000 Jahren Brauch, bemalte Eier zum Anlass des Frühlingsbeginns zu verschenken. Auch im alten Rom und in Teilen Griechenlands wurden während des Frühlingsfestes Eier bemalt und als Geschenke übergeben. Später wurde diese Tradition von den Germanen übernommen.

In vielen Tempeln hingen geschmückte Eier als Dekoration während der Frühlingsfesttage. Sie wurden als heilige Symbole verehrt. In Persien und Phönizien galt das mystische Ei als Ursprung der Welt aus dem alles Leben schlüpfte. Deshalb haben Christen die Eier als Symbol für neues Leben und Fruchtbarkeit übernommen und somit einen eigentlichen heidnischen Brauch der christlichen Kirche einverleibt und wie so oft alte Traditionen beibehalten und mit neuen Bedeutungen versehen. Ostern und Ostereier sind da keine Ausnahme.

Osterhase
Warum bunte Ostereier?

Hart und bunt

Nach christlichem Brauch wird vor Ostern 40 Tage lang gefastet. Zu den verbotenen Lebensmitteln in dieser Zeit gehörten früher alle tierischen Produkte, also neben Fleisch, Butter und Milch auch Eier. Kein Wunder, dass diese Ostersonntag – nach Ende der Fastenzeit – besonders beliebt waren.

Dass die Eier hart gekocht wurden, hatte den Hintergrund, dass die Hennen im Frühjahr besonders viele Eier legen. Um diese haltbar zu machen, wurden sie gekocht.

Und wieso bunt? Ganz einfach: Um sie von rohen Eiern zu unterscheiden.

Ostereiersuche: Theorie 1

Ob in der Wohnung, im Garten oder im Park: Ostereier verstecken gehört ebenso zum Osterfest wie das Färben oder Basteln im Vorfeld.

Doch woher stammt dieser Brauch?

Angeblich ist diese Tradition heidnischen Ursprungs. Um die Frühlingsgöttin Ostara zu ehren, wurden Eier verschenkt. Sie gelten von jeher als Zeichen der Fruchtbarkeit. Der Kirche missfiel dieser Brauch und verbot ihn. Die Folge: Die Eier wurden nun heimlich verschenkt, sprich versteckt.

Ostereiersuche

Ostereiersuche: Theorie 2

In seiner Kolumne in der „Berliner Morgenpost“ schrieb Hellmuth Karasek am 4. April 2010:

„ […] Das Eiersuchen zu Ostern geht auf die ‚verlorenen Eier‘ zurück, die in China nördlich von Peking vergraben wurden, zu ihrem Schutz wurde die Chinesische Mauer errichtet.

Sie gehörten zur Delikatesse, die streng nach dem Moder der Ming-Dynastie (1368-1644) schmeckt. […] “

Chinesische Mauer
Chinesische Mauer

Natürlich ist das nicht ernst gemeint, genauso wie seine Feststellung, dass Eier oval sind, was weder rund noch eckig ist, eben etwas zwischen Ball und Würfel.

Doch seine Ausführungen werfen auch die Frage auf: Was passiert, wenn die Eier verloren gehen?

Abgesehen davon, dass der gute Ruf des Osterhasen dadurch massiv beschädigt würde, brächte ein derartiges Missgeschick auch die Eltern der Eier suchenden Kinder in eine schwierige und nicht zu erklärende Situation.

Und hier kommen wir zum Casus knacksus! Genau, wie im Scholastiker-Streit über das Primat von Ei und Henne, muss sich der Deutsche Einzelhandel die Frage gefallen lassen, welche Ursachen für seine Misere verantwortlich sind: Die Versäumnisse in der Neuausrichtung seines Geschäfts oder die anhaltende Corona-Krise?

Analogie – Die verlorenen Eier

dunnhumby, ein weltweit agierender Anbieter im Bereich Customer Data Science, wirft dem Einzelhandel Versäumnisse vor. Ob die nachlässige Vermarktung von Werbeflächen oder der suboptimale Einsatz von Gutscheinen, die Datenanalysten sehen viel ungenutztes Potenzial.

marktforschung.de sprach bereits Anfang Dezember 2019 mit Jérôme Cochet, Global Managing Director Media, also deutlich vor der Corona-Krise.

Er kommt zu folgender Einschätzung:

„[…] In der heutigen Welt wird das klassische Einzelhandelsmodell von drei Seiten angegriffen: Discounter, die immer mehr Marktanteile gewinnen, digitale Disruptoren, die in den Markt eintreten und steigende Kosten für die Kundenbetreuung. Für den Erfolg müssen Medienunternehmen kundenorientiert arbeiten, um eine hohe Kundenzufriedenheit zu generieren, die im Einklang mit dem eigenen Kerngeschäft steht. Einzelhändler müssen die richtige Marketingstrategie für ihr Unternehmen entwickeln und die richtigen Vorschläge entwerfen, um ihren Kunden eine überzeugende Customer Journey zu liefern. […]“

Hier geht’s zum kompletten Interview 👉 Entscheidungen müssen auf der Grundlage einer ganzheitlichen Sichtweise der Kunden getroffen werden

Fazit

Laut wallstreet:online sind fast 90 Prozent der E-Commerce-Händler von Auswirkungen betroffen – jeder zweite erwartet einen Umsatzrückgang. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e.V. (bevh) nach einer Umfrage unter seinen Mitgliedsunternehmen.

Fast 9 von 10 Unternehmen (88,3 Prozent) berichten, dass sie aktuell bereits direkt von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen sind. Gut 50 Prozent der Unternehmen rechnen momentan mit einer temporären Schließung zumindest von einzelnen Bereichen im Jahresverlauf.

Allerdings wird mit Hochdruck daran gearbeitet, Abteilungen zu separieren, um insbesondere die Logistik nicht zu gefährden.

Aus diesem Grund sehen fast zwei Drittel der Unternehmen Kurzarbeitergeld und die Finanzierung von Lohnfortzahlungen bei infektionsbedingter Schließung als sehr sinnvolle Unterstützung durch Hilfsmaßnahmen des Staates.

Die Zahlen beziehen sich auf den Teil des Handels, der bereits aktiv „E-Commerce“ und „Versandhandel“ betreibt.

Entwicklung Handel
Die Entwicklung des Online-Umsatzes stagniert.

Ausblick

Niemand konnte ernsthaft mit einer Krise dieses Ausmaßes rechnen. Wie zuvor beschrieben, wird der Einzelhandel durch die Krise hart getroffen. Schließungen und Insolvenzen zeichnen sich bereits ab, doch ein Teil wird überleben.

Bereits lange vor der Corona-Krise gab es weltweit erhebliche Probleme im Einzelhandel. Vor allem in den USA gehen immer mehr Shopping-Malls pleite. Es gibt für die Dead Malls sogar eine Internetseite. (Lesen Sie dazu auch meinen Blogbeitrag Dead Mall.)

Auf der Strecke bleiben definitiv die Händler und Unternehmen, die eine Änderung ihres Geschäftsmodells in der Vergangenheit strikt ablehnten und nicht dazu bereit waren, sich der geänderten Marktsituation vor der Krise anzupassen.

Kundenrückgewinnung
Kunden zurückzugewinnen, ist meistens mit hohem Aufwand verbunden.

Literatur

  1. Das neue Küchenlexikon. Von Aachener Printen bis Zwischenrippenstück. dtv, 11. Auflage 2007, ISBN 978-3-423-36245-0
  2. Gottlieb Jakob Kuhn: Volkslieder. 2. Aufl. Bern 1819, S. 161 (online bei Google Books).
  3. Osterhase. In: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 6, Sp. 1329
  4. Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen und einigen andern, besonders den angrenzenden Gegenden Norddeutschlands. Teil 2. Hrsg. von Adalbert Kuhn. Leipzig 1859, S. 143 (online bei Google Books).
  5. Als solcher zum 15. Dezember 1684 erwähnt von Achilles Augustus von Lersner: Chronica der weitberühmten freyen Reichs-, Wahl- und Handelsstadt Franckfurth am Mayn. Teil 2, Buch 2. Frankfurt am Main. 1734, S. 63 (online bei Google Books).
  6. Johannes Richier: Disputatione ordinaria disquirens de ovis paschalibus / von Oster-Eyern. In: Satyrae Medicae. Nr. XVIII. Heidelberg 1682, S. 6 (Online bei Europeana).
  7. Jean (=Johannes) Richier war von März 1652 bis zu seinem Tod 1695 Pastor der Église réformée française de Francfort, s. Troisième jubilé séculaire de la fondation de l’Église Réformée Française de Francfort s/M. Frankfurt am Main 1854, S. 50 u. 54 (online bei Google Books). Ihm (D[omi]n[o] Joh[anni] Richier, ecclesiae reformatae Gallicae Francofurtensis pastori) ist die Dissertation seines gleichnamigen Sohnes gewidmet (Rückseite der Titelseite).
  8. Helga Maria Wolf: Österreichische Feste und Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003 ISBN 978-3853262252, S. 77.
  9. Ei. In: Lexikon der christlichen Ikonographie (LCI). Freiburg im Breisgau 1970, ISBN 3-451-21806-2, Band 1
  10. In: Lexikon der christlichen Ikonographie (LCI). Freiburg im Breisgau 1970, ISBN 3-451-21806-2, Band 2, Sp. 221.

Weitere Quellen

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