Psychologie

ICH SAGE DIR, WER DU BIST.

Wir alle haben schon einmal einen Persönlichkeitstest gemacht oder ein Horoskop gelesen und dabei festgestellt, dass die Beschreibung (fast) genau auf uns zutrifft.

Je nachdem, wie ernst man solche Analysen nimmt, neigen viele Menschen dazu, allgemeingültige Aussagen auf sich zu beziehen und finden meistens die eigenen Charaktereigenschaften wieder.

In ihrem unbeirrbaren Glauben erliegen sie dem „Barnum-Effekt“ und werden Opfer eines psychologischen Phänomens, das dazu führt, dass sie Aussagen über sich selbst glauben. Sie sehen eine Analyse, die auf den ersten Blick perfekt passt, obwohl es in Wahrheit auf jeden anderen genauso zutrifft.

Was sich hinter dem „Barnum-Effekt“ verbirgt und warum Sie auf diesen hereinfallen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Lässt sich das Phänomen überwinden?

Zirkuspionier und Marketinggenie

Wikipedia beschreibt Phineas Taylor Barnum (* 5. Juli 1810 in Bethel, Connecticut; † 7. April 1891 in Bridgeport, Connecticut) als US-amerikanischen Zirkuspionier, Marketinggenie und Politiker.

Er tingelte mit verschiedenen Wanderzirkussen durch die USA und legte dabei besonderen Wert auf Vielfalt. Es gab eine Ausstellung mit ausgestopften Vögeln und Mumien, einen Bauchredner, Zwerge und Riesen sowie Schlangen, Hunde und Affen. Jedem Besucher wollte Barnum etwas Passendes bieten. Keiner sollte hinterher sagen können, dass der Zirkus seinen Geschmack nicht getroffen hätte. Und mit diesem Konzept war er außerordentlich erfolgreich.

Phineas Taylor Barnum (1810 – 1891)

Entwicklungsgeschichte des Barnum-Effekts

Der amerikanische Psychologe Paul Everett Meehl prägte in den 1950er-Jahren den Begriff „Barnum-Effekt“. Zuvor trug das Phänomen den Namen „Forer-Effekt“ – nach dem gleichnamigen Psychologie-Professor Bertram R. Forer.

Letzterer gaukelte seinen Studenten in einer Studie vor, dass sie an einem Persönlichkeitstest teilnehmen würden. Nachdem alle die Fragen beantwortet hatten, legte er ihnen eine „angebliche“ Auswertung vor, deren Wahrheitsgehalt sie von 0 (überhaupt nicht zutreffend) bis 5 (sehr zutreffend) bewerten sollten.

Was die Studenten nicht wussten: Forer hatte allen ein und denselben Text gegeben. Darin enthalten waren allerlei allgemeine Aussagen wie:

  • „Sie sind tendenziell selbstkritisch.“
  • „Sie überprüfen die Aussagen von anderen, bevor Sie sie glauben.“ oder
  • „Einige Ihrer Ziele sind eher unrealistisch“.

Ergebnis: Im Schnitt vergaben die Studenten über vier Punkte. So konnte Forer zeigen, dass Menschen dazu neigen, allgemein gefasste Aussagen und ungenaue Behauptungen über die eigene Person als zutreffend aufzufassen und sich selbst darin zu erkennen.

Forer-Effekt

Typische Barnum-Aussagen

Das Experiment wurde in den folgenden Jahren von zahlreichen Psychologen wiederholt und alle kamen dabei zu ähnlichen Ergebnissen.

Jedes Mal sahen sich die Teilnehmer der Untersuchungen sehr treffend beschrieben und zeigten eine hohe Zustimmung mit den Behauptungen zur eigenen Persönlichkeit, auch wenn diese vollkommen aus der Luft gegriffen waren.

Verantwortlich für den „Barnum-Effekt“ sind vor allem die sogenannten Barnum-Aussagen. Gemeint sind Aussagen, die vage und allgemein sind und mit denen sich nahezu alle Menschen identifizieren können.

Solche Barnum-Aussagen können durch verschiedene Instrumente erzeugt werden:

  • Wünschenswerte, positive Eigenschaften: Dem Satz „Sie sind ein liebenswerter, gleichzeitig zielstrebiger Mensch“ würde wohl jeder sofort zustimmen. Das liegt daran, dass wir diese Eigenschaften in uns selbst sehen wollen, auch wenn wir in Realität vielleicht überhaupt nicht auf unsere Ziele hinarbeiten.
  • Allgemeine Ängste und Sorgen: Einige Ängste sind so weit verbreitet, dass man mit einer Aussage darüber nahezu nicht falsch liegen kann. Ein Beispiel für eine Barnum-Aussage ist demnach „Ihnen ist Ihre Gesundheit sehr wichtig“. Wer würde da schon widersprechen?
  • Ungenaue Aussagen:Sie sind zielstrebig, aber suchen sich die Ziele, die Sie verfolgen, sehr genau aus.“ Was nach einer tiefen Analyse des Verhaltens klingt, umfasst schlichtweg alle Ausprägungen von Zielstrebigkeit. Egal, ob Sie mit Elan und Motivation große Ziele anstreben oder es kaum vorwärts geht, in dieser Barnum-Aussage finden Sie sich immer wieder.

Ein bekanntes Beispiel für Barnum-Aussagen ist der Satz „Sie gehen nicht gerne ein großes Risiko ein“. Das trifft natürlich sofort auf alle zu, die eher zurückhaltend agieren und die sichere Variante wählen, doch auch risikofreudige Menschen interpretieren die Aussage so, dass es für sie passt. Die Ursache dafür ist die vage Formulierung großes Risiko. Aufgefasst wird die Bedeutung dann als ein so großes Risiko, dass man es nicht eingehen will, wodurch die Barnum-Aussage tautologisch immer als korrekt empfunden wird.

Barnum-Effekt

Warum fallen wir auf den Barnum-Effekt herein?

Es ist schwer zu glauben, dass so viele Menschen auf den „Barnum-Effekt“ hereinfallen. Bevor Sie aber mit dem Finger auf andere zeigen, sollten Sie sich selbst nicht voreilig aus dieser Gruppe ausschließen. Hinter dem „Barnum-Effekt“ stehen mehrere psychologische Phänomene, denen fast jeder zunächst auf den Leim geht.

Zum einen spielt die selektive Wahrnehmung eine große Rolle. Kurz gesagt: Sie sehen nur das, was Sie sehen wollen. Wenn Ihnen eine Aussage verspricht, ein Bild Ihrer Persönlichkeit zu zeichnen, werden Sie sich auf all die Punkte konzentrieren, die tatsächlich übereinstimmen, zumindest mehr oder weniger. Der Rest wird nur überflogen und spielt bei der Bewertung kaum eine Rolle.

Ein weiterer Effekt ist der Bestätigungsfehler, der besagt, dass Informationen so interpretiert werden, dass sie den eigenen Ansichten und Erwartungen entsprechen.

Ein simples Beispiel: Ihnen wird gesagt, dass Sie zuverlässig sind. Stimmt das mit Ihrer persönlichen Meinung über sich selbst überein, fühlen Sie sich sofort gut beschrieben. Es wird überhaupt nicht reflektiert, ob eine solche Aussage mit der Realität übereinstimmt.

Selektive Wahrnehmung

So können Sie den Barnum-Effekt überwinden

Der „Barnum-Effekt“ zeigt vor allem dann seine volle Wirkung, wenn Sie ihn nicht kennen. Weil Sie diesen Artikel gelesen haben, können Sie sich selbst besser vor dem Wahrnehmungsfehler schützen, vollkommen gefeit sind Sie deswegen allerdings noch nicht.

Tipp

Wenn Sie den Barnum-Effekt überwinden wollen, hilft vor allem eine kritische Herangehensweise.

Das bedeutet nicht, dass Sie Persönlichkeitstests von Anfang an als Unfug abtun sollen, sondern dass Sie die Ergebnisse wirklich hinterfragen und den Aussagen nicht blind zustimmen.

Eine skeptische Grundeinstellung ist dabei von Vorteil. In etwa so, als würden Sie einen Glückskeks öffnen. Dort erwarten Sie auch nicht automatisch eine zutreffende psychologische Analyse und eine wahrheitsgemäße Aussage über die Zukunft.

Literatur

  1. Grab von P. T. Barnum.
  2. Don Bates: Public Relations from the Dawn of Civilization. (PDF) 2002; abgerufen 6. Juli 2016 (“The master of all nineteenth-century press agents was Phineas T. Barnum.”)
  3. B. R. Forer: The fallacy of personal validation; a classroom demonstration of gullibility. In: Journal of Abnormal Psychology. Band 44, 1949, S. 118–123, PMID 18110193.
  4. Christoph Bördlein: Frühe Forschungen zum „Barnum-Effekt“. In: Skeptiker. Band 13, Nr. 1, 2000, S. 44–45.
  5. R. Meili: Hasard et Psycho-Diagnostic. In: Archives de Psychologie. Band 21, 1928, S. 198–207.
  6. H. Krüger, K. Zietz: Das Verifikationsproblem. In: Zeitschrift für angewandte Psychologie. Band 45, 1933, S. 140–171.
  7. Otto Bobertag: Bemerkungen zum Verifikationsproblem. In: Zeitschrift für angewandte Psychologie. Band 46, 1934, S. 246–249.
  8. Otto Bobertag: Ist die Graphologie zuverlässig? Kampmann, Heidelberg 1929.
  9. Michel Gauquelin: Dreams and Illusions of Astrology. Glover & Blair, London 1980, ISBN 978-0-906681-04-6.

Weitere Quellen

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