FOMO

FOMO SAPIENS

Die Angst, etwas zu verpassen, ist so alt wie die Gesellschaft. Menschen organisieren sich in Gruppen, sind aber nur temporär Teil davon.

Gruppenzugehörigkeit ist ein menschliches Bedürfnis. Das Gefühl zu fehlen, wird als unangenehm empfunden. Der Psychologe und Verhaltensforscher Dan Ariely von der Duke University bezeichnet das Phänomen als die Befürchtung, falsche Entscheidungen darüber zu treffen, wie man seine Zeit verbringt und so eventuell die beliebtesten Partys, die lustigsten Aktionen oder die besten Erfahrungen zu verpassen.

Das führt zu einer ständigen inneren Unruhe, zu einem Hetzen von Ereignis zu Ereignis. Beim „Fomo Sapiens“ ist häufig ein ständiger Blick auf die Uhr zu beobachten und die Sorge, er könnte woanders etwas verpassen. So geht mit dem Phänomen oft der Verlust der Fähigkeit einher, Dinge zu genießen.

Mal eben schnell eine Nachricht oder ein Bild auf WhatsApp verschicken, kurz jemanden anrufen, überall erreichbar sein. Das ist heute Normalität und nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken.

Der Fomo Sapiens in freier Wildbahn

Heutzutage findet ein Großteil der Kommunikation mithilfe technischer Medien statt. Unter den 14- bis 34-Jährigen etwa nutzen 95 Prozent regelmäßig WhatsApp. So gut wie jeder besitzt ein Handy.

Der Weg vom „Millennial“ zum „Fomo Sapiens“ ist nicht weit. Mittlerweile finden sich Exemplare des Fomo Sapiens immer öfter in freier Wildbahn. Er ärgert er sich permanent über verpasste Konzerte, Filme, Partys, Urlaube und Hashtags.

Fomo Sapiens in Aktion

Angst

Fear of missing out (Akronym: FOMO) steht für Angst, etwas zu verpassen und ist eine Form der gesellschaftlichen Beklemmung, Angst oder Besorgnis.

Das Phänomen beschreibt die zwanghafte Sorge, eine soziale Interaktion, eine ungewöhnliche Erfahrung oder ein anderes befriedigendes Ereignis zu verpassen und nicht mehr auf dem Laufenden zu bleiben. Dieses Gefühl geht besonders mit modernen Technologien wie Mobiltelefonen und sozialen Netzwerken einher bzw. wird von diesen verstärkt.

In seiner Erscheinungsform in Verbindung mit technischen Geräten bezeichnet FOMO den Druck, ständig im Netz dabei sein zu müssen, um keine Erfahrung oder Begegnung zu verpassen. Dieses Gefühl hat sich in den letzten Jahren unter dem Einfluss der digitalen Medien und mobilen Kommunikationsmittel verstärkt.

Medien sind jederzeit zugänglich und machen die Gesellschaft zeit- und ortsunabhängig erreichbar. Social Media gibt schneller und tiefer Einblick in das Leben der Freunde und Bekannten, als das sonst möglich wäre. Über ständige Statusupdates lassen sich Nutzer von Facebook, Twitter und Co. über die Aktivitäten ihrer Freunde informieren.

Verhaltensforscher glauben, dass die Angst, wichtige Dinge zu verpassen, dadurch steigt. Außerdem bieten die sozialen Netzwerke die Möglichkeit für einen ständigen Vergleich mit anderen. Experten nehmen an, dass hinter dem Phänomen eine Überforderung steckt, denn die Menge an Information, die man über soziale Netzwerke erhält, ist zu groß.

FOMO tritt sowohl bei Menschen auf, die nur gelegentlich soziale Netzwerke verwenden, als auch bei jenen, die sie exzessiv nutzen. Der Zustand wird häufig als ein Syndrom für das kommunikations-beherrschte Zeitalter angesehen.

Epidemiologie

Eine Untersuchung der internationalen Werbeagentur JWT Intelligence ergab, dass soziale Netzwerke das Phänomen FOMO verstärken, dass junge Menschen stärker von FOMO betroffen sind als ältere und dass junge Männer stärker betroffen waren als junge Frauen.

Die Studie ergab weiterhin, dass „Fomotiker“ häufiger als andere Menschen negative Gefühle bei der Benutzung von Facebook erleben.

Außerdem waren laut der Studie Menschen stärker betroffen, die mit ihrem Leben und der Erfüllung ihrer Bedürfnisse weniger zufrieden waren.

Digital Detox und Entschleunigung

Etwa 200 Mal schauen wir auf unser Handy – pro Tag! Viele Ärzte warnen vor Dauerstress, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie sozialer Isolation. Und immer mehr Handynutzer finden die Abhängigkeit vom kleinen, superschlauen Dauerbegleiter inzwischen bedenklich.

Smartphones, so ihr Eindruck, verursachen Stress, rauben Zeit, kosten Energie und lassen die Sinne verkümmern.

Was tun?

FOMO gilt als erste Social-Media-Krankheit. Als Gegenbewegung zum Online-Rausch gilt „Digital Detox“. Damit ist die „digitale Entgiftung“, ugs. auch „Handyfasten“, gemeint und beschreibt Bemühungen der Reduktion und des Entzuges des Gebrauches digitaler Geräte und Medien.

Innerhalb einer bestimmten Zeitspanne wollen die Betroffenen auf die Nutzung elektronischer Geräte wie Smartphones, Tablets oder Computer und auch des Fernsehens und des Internets vollständig verzichten. Die Menschen entziehen sich dadurch bewusst der Vernetzung und Erreichbarkeit, wollen Stress reduzieren und sich wieder vorrangig dem Real Life (RL) widmen bzw. einen Bezug zur Natur suchen.

Lieber wieder den Reichtum der realen Welt erleben, spüren, was wirklich wichtig ist und dem Cyberspace nicht die Steuerung des eigenen Lebens überlassen. Promis verkünden digitale Enthaltsamkeit, Offline-Challenges stellen Nutzer auf die Probe und Influencer berichten, wie viel mehr Raum für neue Ideen und Inspirationen entsteht, wenn man mal für eine Weile abgeschaltet bleibt.

Tatsächlich ist aus der Forschung bekannt, wie wichtig Erholungspausen für Körper, Geist und Seele sind. Bleibt nur die Frage, wie es am besten gelingen kann, digitale Pausen in den Alltag einzubauen.

Reduktion des Konsums

Die im November 2017 von der Süddeutschen Zeitung und vom Tages-Anzeiger veröffentlichten Sieben Tipps zur digitalen Entgiftung wurden oftmals zitiert und werden von Fachleuten als praktikabel eingestuft:

  1. Dienste auslagern, beispielsweise Uhr, Wecker, Taschenlampe, Landkarte
  2. Weniger Apps, mehr Browser, denn Apps erwecken mit Push-Nachrichten fortwährend Aufmerksamkeit
  3. Digital-Detox-Apps, als erster Schritt zur Selbstkontrolle, informieren über die tägliche Nutzungsdauer
  4. Soziale Normen ansprechen, nicht umgehend auf Fragen antworten und die Verhaltensänderung auch kommunizieren
  5. Smartphone-freie Zeit, als erster Bruch mit dem Prinzip der ständigen Erreichbarkeit
  6. Smartphone-freie Räume, besonders wichtig in Familien mit Kleinkindern, um permanente Ablenkung zu unterbinden
  7. Flugmodus, Ausschalten, der Flugmodus verkompliziert die Smartphone-Nutzung; während Autofahrens sollte prinzipiell ausgeschaltet werden, schon wegen der massiv erhöhten Unfallgefahr.

Quellen

Literatur

  • Konstantin Nowotny: FOMO ist voll POMO: Viele werden von der Angst, etwas zu verpassen, in die Abhängigkeit getrieben, in „Dschungel“, Beilage zu jungle world, 32, 9. August 2018, S. 8 – 11
  • Fomo? WDR-Blog. Fomo? – Oder Yolo? Ein Blog-Eintrag des WDR. Abgerufen am 5. Mai 2014.
  • Zitate nach Deutsches Ärzteblatt, 19. Juni 2018
  • Markus Appel, Nina Krisch, Jan-Philipp Stein, Silvana Weber: Smartphone zombies! Pedestrians’ distracted walking as a function of their fear of missing out. In: Journal of Environmental Psychology. Band 63, Juni 2019, S. 130–133, doi:10.1016/j.jenvp.2019.04.003 (elsevier.com [abgerufen am 26. November 2019]).
  • Phänomen Fomo. Ein Artikel von Easy Generation. Abgerufen am 5. Mai 2014.

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