EINSTEIN UND DIE VUCA-WELT

In eher schmuckloser Holzbauweise errichtet, befindet sich etwa sechs Kilometer südlich von Potsdam das ehemalige Sommerhaus Albert Einsteins. Das Haus selbst wirkt funktionell, modern und bewusst schmucklos und liegt auf einem Hügel zwischen zwei Havelseen in dem schönen Ort Caputh.

Ein Besuch im Einsteinhaus Caputh

Das Haus wurde seinerzeit von dem erst 26-jährigen Architekten Konrad Wachsmann entworfen, dessen erster Entwurf ein flaches Dach, große Fenster und klare Linien aufwies. Auch wenn Wachsmann nie am Bauhaus gearbeitet und sich oft von ihm als Institution distanziert hat, so befolgte er doch das Grundprinzip seines Gründers Walter Gropius, Kunst mit Technologie und das Individuelle mit dem Industriellen zu verbinden.

Bereits während der Planungsphase wurde deutlich, dass Einstein andere Vorstellungen hatte und mehr an ein Holzhaus mit Ziegeldach dachte, um den Eindruck eines Blockhauses zu erzielen. In der Folge entstand ein Haus, das ortsfeste Fachwerkbauweise und Tafel- und Plattenbauweise kombiniert.

Als „eine Pleite, aber eine sehr schöne“ beschrieb Albert Einstein selbst sein Domizil, in das er im November 1929 einzog.

Gemeinsam mit Freunden, die in der Nähe von Caputh leben, besuchten wir am vergangenen Wochenende das Einsteinhaus, das nach Einsteins Emigration im Jahr 1933 eine wechselvolle Geschichte erlebte. Es war jüdisches Landschulheim, Treffpunkt der Hitlerjugend, Wohnung für Luftwaffenoffiziere, Flüchtlingsfamilien, schließlich Gästehaus der Akademie der Wissenschaften der DDR. Heute gehört es zum größten Teil der Hebräischen Universität in Jerusalem und wird vom Einstein Forum in Potsdam verwaltet. Seit 2005 kann es besichtigt werden, zudem finden regelmäßig Workshops, Seminare und kulturelle Veranstaltungen statt.

Einsteinhaus in Caputh im Oktober 2019

Albert Einstein (* 14. März 1879; † 18. April 1955)

Nach dem Besuch philosophierten wir noch eine ganze Weile über den genialen Mathematiker und Physiker, der auch ein gekonnter Redner war. Dass er seinen Nobelpreis 1922 für die Entwicklung der Relativitätstheorie (E=mc2) erhielt, ist übrigens ein weit verbreiteter Irrtum. Der wahre Anlass war die Entdeckung des Gesetzes über den photoelektrischen Effekt. Als der Preis verliehen wurde, hatte Einstein seine Relativitätstheorie zwar bereits aufgestellt, die Theorie war jedoch noch nicht ausreichend belegt und schied in den Augen des Nobelpreiskomitees aus. Der photoelektrische Effekt basiert dagegen auf einer Reihe von einzigartigen Beobachtungen im Rahmen seiner Forschung zur Quantenphysik.

Bis heute ist das physikalische Dilemma der Unvereinbarkeit der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Quantentheorie nicht gelöst. In den meisten Fällen spielt das keine Rolle, doch bei bestimmten Phänomenen, wie beispielsweise bei Schwarzen Löchern oder beim Urknall, braucht man eine Theorie, die Quanten- und Relativitätstheorie miteinander aussöhnt. Einstein selbst hat sich bis zu seinem Tod 1955 mit dieser Frage beschäftigt.

Albert Einstein – Genialer Mathematiker und Physiker

Leben in der „VUCA-Welt“

Wenn Albert Einstein bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Meinung war, dass Planung den Zufall durch Irrtum ersetzt, so müssen wir uns heute fragen, welchen Stellenwert denn Planung überhaupt noch hat. Einstein lebte im Vergleich mit unserer heutigen Situation in einer langsamen Welt. Unser Alltag hingegen wird zunehmend bestimmt durch rasante Veränderungen, Unsicherheit, zunehmende Komplexität und Ungewissheit.

Wir leben in einer „VUCA-Welt“, also einer Welt, die gekennzeichnet ist durch:

  • Volatility (Volatilität)
  • Uncertainty (Unsicherheit)
  • Complexity (Komplexität)
  • Ambiguity (Mehrdeutigkeit)

Das bedeutet gleichzeitig immer kürzere Innovationszyklen, schnelles Wachstum bei neuen Mitspielern im Markt, rasantes Fortschreiten der Globalisierung und Digitalisierung.

Es ist eine Zeit, in der auch das Enterprise Architecture Management auf die Anforderungen reagieren muss, die sich aus den veränderten Rahmenbedingungen ergeben. Im Folgenden zeige ich auf, welche Möglichkeiten es gibt und wie Unternehmen sich architektonisch agil aufstellen können.

VUCA in Kurzform

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Die Veränderungen, mit denen sich Unternehmen auseinandersetzen müssen, sind vielfältig. Strategisches Management ist mehr denn je gefordert. Albert Einstein beschreibt anschaulich, worauf es ankommt, um in der Zukunft Erfolg zu haben.

Nicht nur in Zeiten der Veränderung ist Erfolg vergänglich. Unternehmen sehen sich zahlreichen Herausforderungen gegenüber: Regulierung, zunehmender Wettbewerb, Digitalisierung, steigende Kosten. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Dennoch tun sie sich überwiegend schwer mit den Themen Veränderung, Innovation und Innovationsmanagement. Auf der einen Seite suchen und benötigen sie dringend zusätzliche Ertragsquellen und damit auch neue Ideen und Konzepte. Auf der anderen Seite sind sie immer noch ihrer Natur der Risikovermeidung stark verbunden.

Geschwindigkeit und Innovationskraft als Herausforderung für die IT

Auch die geordnete Welt der IT gerät durch Globalisierung und Digitalisierung in Bewegung. Die Unternehmen begegnen den Erfordernissen kurzer Innovationszyklen mit agilen Ansätzen, nicht nur in der Softwareentwicklung, sondern auch im Business und in der Architektur. Eigenverantwortung und Feedback in kurzen Zyklen sind das Fundament dieser Ansätze. In diesem Kontext reicht es nicht mehr aus, die Stabilität der gewachsenen IT-Landschaft und deren Compliance mit regulatorischen Anforderungen sicherzustellen. Vielmehr muss die IT Geschwindigkeit aufnehmen, zum innovativen „Think Tank“ und Enabler einer Digitalen Transformation werden. Diesen Anforderungen muss auch die Enterprise Architecture gerecht werden. Auch sie muss schneller werden und agiler.

In vielen Unternehmen werden inzwischen über 30 bis 70 Prozent der gesamten IT-Ausgaben außerhalb der IT-Organisation entschieden.

In mehr als 70 Prozent der von der amerikanischen Managementberatung CEB befragten Organisationen wird die interne IT erst dann involviert, wenn die Entscheidung über eine „Software as a Service“ bereits gefallen ist. Die IT of Multiple Speed ist also mindestens dort real, wo wir unseren Fokus nicht auf die interne IT beschränken. Das bringt Architekten mit neuen Ansprechpartnern im Unternehmen zusammen, die zum Teil wenig IT-Erfahrung und noch wenig Verständnis für Architektur haben.

Bedeutung der Innovation

Image, Selbstverständnis, Werte und Mandat der Architektur

Gleichzeitig wird die Unternehmensarchitektur nur selten als Mitspieler gesehen. Insbesondere solche potenziellen Kunden des Architekten, die außerhalb der internen IT daran mitwirken, die Zukunft des Unternehmens zu gestalten, begegnen dem Architekten oft mit Vorurteilen.

Nicht selten liegen die Ursachen tief: Das Selbstverständnis und die Werte des Architekten sind oftmals nicht kompatibel mit denen der Kunden. Während das Unternehmen Initiative, Dynamik, Kreativität und Innovation fordert und fördert, sind dem Architekten – nicht zuletzt auch begründet durch sein aktuelles Mandat – Struktur, Stabilität, Standards und Methoden wichtig. Dieses Mandat und die damit verbundenen Werte passen oft nicht mehr zu den Erwartungen der Kunden. Der Architekt als Hüter der Standards und Compliance-Beauftragter darf per se nicht an Erprobung, Prototyping, neue oder unkonventionelle Lösungen denken.

Ist Unternehmensarchitektur damit passé, überholt, von gestern? Oder muss sie sich neu erfinden, um ihre Stärken einzubringen?

Motivation, Werte, Leitbild und Unternehmenskultur

Architektur in der VUCA-Welt

Architektur ist nicht passé. Sie hilft uns, auch in einer VUCA-Welt temporär Klarheit und Verständnis zu gewinnen und damit Visionen zu entwickeln und in agilen Prozessen handlungsfähig zu werden. Dies wird immer nur ein temporärer Zustand sein, denn die Rahmenbedingungen der VUCA-Welt können wir damit nicht verändern.

Allerdings muss Architektur dafür Selbstverständnis, Wertesystem und Zielsetzung an das digitale und agile Umfeld anpassen.

Bedeutung der Architektur

Fazit

Die Komplexität der IT resultiert immer stärker aus der Komplexität der Business-Architektur. Die IT muss sich den Anforderungen neuer Geschäftsmodelle und der Veränderung oder dem Wegfall bestehender Geschäftsmodelle stellen.

Um die Enterprise-Architektur – und damit die Kombination aus Business- und IT-Architektur – an den Charakteristika einer VUCA-Welt auszurichten, ist der Enterprise-Architekt gefordert. Dieser muss aktiv auf seine Stakeholder zugehen, um sich dort Aufträge abzuholen. Er darf nicht darauf warten, dass er dazu geholt bzw. durch Gates in Prozessmodelle eingebunden wird. Seine aktive Rolle ermöglicht es ihm früh, in Entscheidungsprozessen oder bei neuen Vorhaben involviert zu sein und dort als Ansprechpartner bzw. Kommunikator wahrgenommen zu werden.  Der Enterprise-Architekt sorgt durch seine Arbeit für Stabilität und Nachhaltigkeit und schafft damit eine Basis für die Steigerung der Effizienz und Geschwindigkeit des gesamten Unternehmens. Er schafft damit einen klaren Nutzen. Doch obwohl die Grundwerte Stabilität und Nachhaltigkeit weiterhin gültig bleiben, müssen sie auf die neuen Anforderungen wie kurze Innovationszyklen für Technologien und Geschäftsmodelle angepasst werden.

Bedeutung der IT-Strategie

Tipp

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, klicken Sie bitte auf like und share, um auch anderen Interessierten den Beitrag zugänglich zu machen. Darüber hinaus freue ich mich auch über Ihr Feedback unter Kommentare.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.