KÜNSTLICHE INTELLIGENZ – NUR EIN FAKE? (2)

Ob künstliche Intelligenz über sich selbst nachdenkt und ein KI-Bewusstsein entwickelt, wollen Wissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie in einem Forschungsprojekt herausfinden. Eines steht für die beteiligten Wissenschaftler bereits heute fest: Sie müssen das Thema zunächst entmystifizieren.

KI-Bewusstsein und die Frage nach der Selbstwahrnehmung

Künstliche Intelligenz – maschinelles Bewusstsein, als über diese Fragen im Bundestag diskutiert wurde, konnte man bei vielen Politikern eine gewisse Hilflosigkeit feststellen. Roboter mit Künstlicher Intelligenz, vielleicht sogar mit einer „Superintelligenz“, KI-Systeme mit Bewusstsein, die dem Menschen weit überlegen sind – wann wird es die geben? Wann werden die für den Menschen Entscheidungen treffen? Auf solche Fragen reagiert auch so mancher Wissenschaftler etwas hilflos.

Können Roboter eine Selbstwahrnehmung entwickeln?

Künstliche Intelligenz ist letztlich Algorithmik

Und genau hier setzt ein Forschungsprojekt am Karlsruher Institut für Technologie an. „Abklärung des Verdachts aufsteigenden Bewusstseins in der Künstlichen Intelligenz“ lautet der etwas sperrig klingende Titel. Die Ausgangsfrage formuliert Projektleiter Professor Karsten Wendland so:

„Wenn wir KI-Systeme betrachten, was die können, dann sind wir teilweise begeistert. Das KI-System kann Spiele gewinnen, kann also den besten Schachspieler der Welt besiegen, kann den besten Go-Spieler besiegen, kann mittlerweile Autos autonom durch die Gegend fahren. Wenn wir das sehen, sind wir sehr beeindruckt und nennen das Ganze Intelligenz. Allerdings ist das keine Intelligenz im engen Sinne, sondern es ist letztlich eine Algorithmik.“

Wendland spricht von „Rechenrezepten“, mit denen Menschen sich das Rechnen leichter gemacht haben, denn Schritt für Schritt gibt so ein Algorithmus vor, was als nächstes berechnet werden muss.

Auch für den Computer haben Menschen solche Rezepte geschrieben: „Das sind genau genommen dumme Computer, die einfach nur sehr schnell sind und sehr clever programmiert.“

Hinter dieser cleveren Programmierung stecken sogenannte heuristische Verfahren, d.h., die Rechenrezepte werden assoziativ verändert. Da wird auch mit Versuch und Irrtum gearbeitet. Das macht das menschliche Gehirn sehr erfolgreich. Dazu meint Projektmitarbeiter Dr. Christian Wadephul: „Solche heuristischen Verfahren machen uns als Menschen ja auch so stark, weil sie dazu in der Lage sind, robust, aber natürlich vereinfacht mit viel Information und Komplexität umzugehen. Neue maschinelle Verfahren sind jetzt genau dadurch in der Lage, komplexe mathematische Probleme sogar mit Gütegarantie angehen zu können.“

Dafür mussten aber mathematische Modelle für die Funktionsweise des Gehirns entwickelt werden.  Und beim Herausarbeiten dieser Unterschiede von menschlichen und maschinellen Problemlösungen ist bei der Frage nach dem Bewusstsein schon ein wenig Bescheidenheit angesagt, meint Karsten Wendland.

„Am empirischen Nachweis des Bewusstseins sind, soweit wir das wissen, bisher alle Kolleginnen und Kollegen gescheitert, weil wir überhaupt nicht genau wissen, was das Bewusstsein genau ist und wo es herkommt. Ähnlich wie wir auch nicht wissen, was die Intelligenz genau ist oder wo sie herkommt.“

Der monetäre Aspekt

Wer die Berichterstattung der vergangenen Jahre zum Thema künstliche Intelligenz verfolgt hat, könnte es mit der Angst zu tun bekommen: Eine KI, die lernt zu bluffen und einen Poker-Weltmeister schlägt. Eine KI, die eine eigene Sprache entwickelt und von Facebook gestoppt wird. Eine KI, vor der Tech-Pionier Elon Musk warnt, sie könnte eines Tages intelligenter als der Mensch werden.

Seit Jahren findet ein zum Teil undifferenzierter Diskurs statt, in dem auf der einen Seite Ängste und Vorbehalte geschürt werden und auf der anderen Seite IT-Großkonzerne wie IBM, Microsoft, Intel, Apple, Amazon und Google Milliarden in innovative Startup-Unternehmen investieren oder sich gleich ganz einverleiben, um das eigene Angebot im Bereich der KI-Anwendungen erweitern.

Das Transaktionsvolumen für Venture-Capital-Investitionen betrug demnach allein im ersten Quartal 2018 rund 1,9 Milliarden US-Dollar. Dabei konzentrieren sich die Großunternehmen vor allem auf Einsatzszenarien wie die Automatisierung durch Roboter, autonomes Fahren und Predictive Analytics. Analysten propagieren, dass KI die Wirtschaftswelt umkrempeln wird und die Bundesregierung will KI mit drei Milliarden Euro fördern, damit Deutschland den Anschluss an die USA und China nicht verliert.

Prognose zum KI-Umsatz

Wie definieren Experten „Künstliche Intelligenz“?

Aljoscha Burchhardt (Deputy Site Director Berlin – Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz): „Bei der künstlichen Intelligenz ist die Idee mal ganz platt gesprochen, dass wir Software-Systeme, die entweder auf unserem Smartphone oder Computer oder auch auf einem Roboter sind, ‚aufschlauen’, sodass sie ihre Aufgaben so erledigen, als wären sie ein Stück weit intelligent.“

Joachim Fetzer (Wirtschaftsethiker): „Künstliche Intelligenz wie sie heute in der Praxis und in der Wirtschaft stattfindet, sind Technologien, bei denen Maschinen irgendwie so ähnlich werden, dass wir Menschen das Gefühl haben, da sei was intelligent – was wir manchmal übrigens auch bei Hunden oder bei Tieren denken.“

Mirko Knaack (Leite des Digital Lab der IAV GmbH): „Eine Maschine ist genau dann intelligent, wenn sie etwas tut, wozu ein Mensch Intelligenz bräuchte.“

Jeanette Hofmann (Professorin für Internetpolitik an der Freien Universität Berlin): „Ich spreche zurzeit von ‚machine learning‘ und das finde ich tatsächlich eine sehr interessante Entwicklung, weil hier Maschinen anhand von Trainingsdaten, die ihnen Beispiele vorgeben, auf klar definierte Ziele hin lernen, eigenständig Handlungen auszuführen, die bislang entweder von Menschen ausgeübt wurden oder so gar nicht möglich waren.“

Yvonne Hofstetter (IT-Unternehmerin und Buchautorin): „Wenn wir erst mal von der Informationstechnologie ausgehen, dann sind künstliche Intelligenzen Maschinen, die einen ‚Reasoning-Mechanismus‘ haben, also etwas beobachten, etwas wahrnehmen können. Die daraus lernen können, also lernfähig sind. Damit sind wir beim Thema neuronale Netze, Reinforcement-Learning angekommen. Und die sind in der Lage strategische oder taktische Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen: Das ist unsere Definition in der IT.“

Definition nach IDC

Ausblick

Per Definition gibt es keine künstliche Intelligenz. Das, was heute mit KI umschrieben wird, sind unterschiedliche maschinelle Verfahren. Dennoch gilt KI heute als die wichtigste Technologie-Sparte, weil sie so viele andere Bereiche antreibt. Autonomes Fahren, Sprachsteuerung, Augmented Reality – all diese Zukunftstechnologien hängen in ihrer Entwicklung hochgradig davon ab, welche Fortschritte die KI-Forschung macht – beispielsweise in der Bild- und Objekterkennung.

Wenn eine KI – vereinfacht gesagt – lernt, seine Umwelt zu verstehen, also etwa zu unterscheiden, ob es sich um einen Hund oder ein kleines Kind handelt, dann wäre das ein wichtiger Schritt für ein autonomes Fahrsystem im Stadtverkehr. Oder im Bereich Augmented Reality: Erst wenn eine KI beginnt, die Umwelt nicht nur in Form von abstrakten Formen und Objekten zu verarbeiten, sondern auch wirklich die Objekte als Gegenstände wie Tisch, Lampe und Stuhl zu verstehen, wird es im Rahmen von AR-Technologien möglich sein, digitale Objekte kontextabhängig, persistent und für den Nutzer logisch einzubetten.

Gesichtserkennung durch KI

Fazit

Wer an KI denkt, kommt an Stephen Hawking (1942-2018) nicht vorbei. Der Physiker und Astrophysiker arbeitete mit einem Sprachcomputer und zeigte so immer wieder die beeindruckende Synthese zwischen Mensch und Maschine. Er forschte regelmäßig zum Thema KI und entwickelte die Botschaft: Wir müssen die Entwicklung von künstlicher Intelligenz kontrolliert vorantreiben.

KI scheint nicht aufhaltbar zu sein. Schon die Leistungsfähigkeit unserer konventionellen Hardware (Computer, Smartphones, Tablets) nimmt sekündlich zu. Hawking formulierte als Gesetzmäßigkeit für diese Entwicklung das Moore’sche Gesetz. Er kam zu dem Schluss, dass sich die Rechenleistung von integrierten Schaltkreisen (Computern) im Durchschnitt alle 18 Monate verdoppelt.

Roboter oder andere Maschinen können keinen Schmerz empfinden, da die KI dafür bewusstseinstechnische Elemente benötigt. Eine technische Nachbildung von Bewusstsein aber stellt derzeit eine der großen Kernherausforderungen der Wissenschaft dar. Tatsächlich ist selbst eine bloße Definition von Bewusstsein dem Menschen bislang noch nicht gelungen. Zentraler Schlüsselaspekt in dieser Überlegung ist aber vermutlich die Selbstreflexion, bzw. die Fähigkeit zu dieser, da der Mensch ein mentales Bild seiner selbst vorliegen hat.

Meine Prognose: Bewusstsein lässt sich nicht kopieren und deshalb auch nicht künstlich erzeugen. Und das ist auch gut so!

Quelle: TU Darmstadt

Im ersten Teil meines Beitrags ging ich der Frage nach, was dran ist an dem KI-Hype. 👉 TEIL 1

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