DIGITALISIERUNG: WAS WIR VON DEN WINDSURF-PROFIS LERNEN KÖNNEN

Der Windsurf World Cup Sylt ist mit mehr als 200.000 Zuschauern der weltweit größte und mit 120.000 Euro der höchstdotierte Wettkampf der Windsurf-Profis auf der Worldtour der Professional Windsurfers Association. Er findet seit 1984 jährlich jeweils Ende September in Westerland/Sylt am Brandenburger Strand statt.

In diesem Jahr trafen sich vom 27. September bis 6. Oktober die weltbesten Windsurfer und Windsurferinnen zum 36. Mal zum Mercedes-Benz Windsurf World Cup 2019. In den Disziplinen Wave, Freestyle und Foil ging es im Rahmen der PWA Windsurfing World Tour nicht nur um Preisgelder, sondern auch um wertvolle Punkte auf dem Weg zum Weltmeistertitel.

Der vierfache Weltmeister in Aktion – Philip Köster – G44

Green Seven Summit

Neben den allabendlichen Partys, tollen Live-Konzerten an der Sportsgarage von Mercedes-Benz und einem abwechslungsreichen Gastronomie- und Shopping-Angebot, begleitete zum ersten Mal ein Klimaschutzgipfel das weltweit größte Windsurf-Event. Beim Green Seven Summit ging es in zahlreichen, gut besuchten Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen um die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels und mögliche Wege aus der Klimakrise. Renommierte Redner sprachen nicht nur über weltweit geltende Handlungsempfehlungen in der Klimakrise, sondern auch über die konkreten Schritte, die noch getan werden müssen.

Am Rand der Startzone – Brandenburger Strand / Sylt

Gespräch mit einem Weltmeister

Etwas abseits des Trubels konnte ich mit Philip Köster ein paar Worte wechseln. Mit Weltranglisten-Platz 1 im Gepäck verließ Deutschlands bester Windsurfer den Mercedes-Benz Windsurf World Cup Sylt 2019. Der vierfache Weltmeister in der Welle geht damit als Führender in das Finale der PWA World Tour auf Maui Ende Oktober und sorgte somit für das i-Tüpfelchen auf einer insgesamt erfreulichen Darbietung der deutschen Windsurf-Elite am Brandenburger Strand.

Siegerehrung

RS: Philip, nachdem du im letzten Jahr Pech hattest und bei deinem Heimspiel vor Westerland bereits im Viertelfinale ausgeschieden bist, ist es heute für dich wesentlich besser gelaufen.

PK: Ja, kann man so sagen. Im letzten Jahr hatte ich einfach Pech im Timing und es war mir nicht gelungen, einen guten Sprung zu zeigen. Aber die Bedingungen waren natürlich für alle gleich.

RS: Wie du weißt, betreibe ich meinen eigenen Blog „Digitale Transformation“, also ein Thema, mit dem du dich nicht beschäftigst. Aber gerade das macht das Gespräch mit dir so spannend. Ich sehe hier nämlich Parallelen, wenn es um das Thema „Lernen“ geht. Was empfiehlst du Menschen, die mit dem Surf-Sport starten wollen?

PK: Ich hatte ich das große Glück, dass meine Eltern 1980 eine Surf-Schule auf Gran Canaria eröffneten. Ich habe bereits als Achtjähriger mit dem Windsurfen angefangen. Bis zum Meer waren es mal gerade 100 Meter, also optimale Bedingungen. Das wird bei den meisten anders sein. Wichtig ist die Gemeinsamkeit von Wellenreiten und Windsurfen zu verstehen. Wegen dieser Herausforderung ist es empfehlenswert, auf jeden Fall einen Grundkurs in einer Surfschule zu absolvieren. Dabei lernst du die essenziellen Grundlagen und trainierst sofort die richtige Technik. Zwar ist es theoretisch möglich, sich das Windsurfen allein beizubringen. Dabei wirst du allerdings nicht sofort merken, wenn du etwas falsch machst. Es kann passieren, dass du dir wichtige Techniken falsch aneignest und deswegen ineffizient windsurfst. Ein Lehrer kann dich sofort auf kleine Fehler bei der Technik hinweisen, sodass du sie später nicht erneut lernen musst.

RS: Was ist noch wichtig?

PK: Für viele Anfänger ist es verlockend, so schnell wie möglich hohes Tempo aufzunehmen. Das ist aber ein Fehler und kann sehr gefährlich werden. Die richtige Balance auf dem Board zu finden und mit dem Segel zu halten, gestaltet sich zu Beginn schwierig. Ohne das richtige Gleichgewicht landest du schnell im Wasser. Deswegen solltest du erst einmal bei schwachem Wind üben. Es braucht Zeit, bis du Board und Segel so beherrschst, dass du jede Windströmung ohne Probleme ausnutzen kannst.

Außerdem ist die richtige Ausstattung enorm wichtig. Angefangen beim Board und dem Rig, hin zum Surfsegel, dem Mast und der Gabel sowie dem Trapez. Und nicht zu vergessen – ein guter Neoprenanzug.

Leider mussten wir das Gespräch nach einigen Minuten beenden, da andere Verpflichtungen auf Philip warteten.

Philip Köster auf dem Weg ins Ziel

Was können wir von dem vierfachen Windsurf-Weltmeister lernen?

Verärgerte Kunden und demotivierte Mitarbeiter, Dinge, die bisher funktionierten und plötzlich geht nichts mehr – oft führt die Digitalisierung zu Frust.

Auf den Frust folgt dann meistens die Häme. Die ist aber nicht angebracht. Schließlich hat man nur das gemacht, was man von einem „agilen“ Unternehmen erwartet. Man hat einen Megatrend erkannt und will diesen mit Macht besetzen. Es gibt mittlerweile viele Beispiele dafür, wie gravierend die Digitalisierung in ein Unternehmen, seine Struktur und seine Organisation eingreift.

Aus den Problemen lassen sich vier Lehren für den digitalen Umbau ziehen. Genau wie ein lernender Windsurfer, sollte man bestimmte Regeln beachten.

Auch in diesem Jahr besuchten mehr als 200.000 Zuschauer das Event.

Vier Lehren

Die erste lautet: Nicht zu viel vornehmen, lieber klein anfangen. Das klingt banal, ist es aber nicht. Sich an diesen Leitsatz zu halten dürfte für viele Manager vielmehr eine der größten Herausforderungen bei der Digitalisierung sein. Denn sie spüren einen gewaltigen Druck. „Digital“ wird gerne mit Attributen wie Schnelligkeit, Wendigkeit und proaktivem statt reaktivem Handeln verbunden.

Überall begegnen die Führungskräfte etablierter Unternehmen diesen „Werten“ des digitalen Zeitalters. Etwa wenn sie ins Silicon Valley reisen, nach wie vor eine gern unternommene „digitale Ertüchtigung“. Das Problem: Die Manager stoßen hier auf eine Welt, die mit der daheim kaum kompatibel ist. Sie ist geprägt von jungen Unternehmen, die frei von Bindungen handeln können. Das weckt bei vielen CEOs Begehrlichkeiten. Kommen sie zurück heißt es: Das will ich auch – und zwar alles.

Das führt zur zweiten Lehre: Überfordern Sie nicht Ihr Unternehmen! Die vielen Wünsche und Anregungen der „Chefs“ zu erfüllen, schafft kein historisch gewachsenes Unternehmen mit seinen üblicherweise komplexen Strukturen. Die Überforderung beginnt mit der Informationstechnik. Sie ist über Jahre aufgebaut worden und in den meisten Fällen alles andere als „agil“.

Neue Dienste und Apps daran zu flanschen, ist ein Kraftakt. Start-ups haben solche Technologie-Altlasten nicht. Deshalb sollten Konzerne gut überlegen, welcher Idee von Start-ups sie nacheifern – auf jeden Fall nicht allen. Denken Sie an den Tipp des Windsurf-Weltmeisters: wenn ich gute Leistungen bringen will, muss das Rüstzeug stimmen. Man muss die essenziellen Grundlagen kennen, um die richtige Technik zu trainieren.

Nicht allein den „Schnellsurfern“ vertrauen

Die dritte Lehre: Vertrauen Sie nicht allein den Schnellsurfern! Manager legen die digitale Transformation gerne in die Hand kleiner, separierter Einheiten. Doch das birgt Probleme. Bei der Belegschaft schürt es Neid über die Freiheiten der anderen, die in ihren spacigen und hippen Büros sitzen. Folge: Alles, womit man in der Zentrale wenig anfangen kann, wird den Schnellsurf-Modus über den Zaun geworfen. Was dort an Ideen entwickelt wird, kommt wiederum nur selten in der Zentrale an.

Digitalisierung kann nur dann funktionieren, wenn auch die bestehende Mannschaft eingebunden wird. In den zurückliegenden Wochen und Monaten hörte man von Konzernlenkern immer wieder die Botschaft, man habe in der Zentrale das falsche Know-how für die digitale Transformation. Und genau das ist ein fatales und gefährliches Signal nach innen.

Die vierte Lehre: Nicht etwas machen, nur weil es geht. Auch wenn der Begriff Digitalisierung es vielleicht nahelegt, Technologie ist längt nicht alles. Die neue Idee muss gut sein, sie muss aber vor allem dem Kunden etwas bringen. Bei der digitalen Transformation allein den Technik-Nerds zu vertrauen, führt in die Irre. Ideen müssen wieder und wieder getestet werden, bevor sie in den Markt gehen. Das sollte getreu dem Prinzip des „Design Thinking“ mit ausgewählten Kundengruppen geschehen.

Fazit

Es lauern viele Stolpersteine auf dem Weg zur Digitalisierung. Sie deswegen aber nicht zu machen, wäre der größte aller Fehler. Man muss die Kraft aufbringen, die Lernkurve zu bewältigen. Eine Alternative dazu gibt es nicht.

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