ANGRIFF DER DROHNEN

Wo und wie der Onlinehandel begann, hängt davon ab, was als Anfang definiert wird. Es gibt nämlich drei dokumentierte Geschichten aus unterschiedlichen Dekaden: Die Stanford-Studenten aus den 1970ern, die einen Marihuana-Kauf über ihre Arpanet-Accounts abwickelten, die Großmutter, die in den 1980ern in Großbritannien Lebensmittel über Teletext einkaufte oder die Geschichte, die unseren modernen E-Commerce begründete: Die erste sichere Transaktion am 11. August 1994 in einem US-Onlineshop, bei der mit einer Kreditkarte eine Sting-CD bezahlt wurde.

Amazon

Egal, welche Geschichte man als Anfang betrachtet: der Online-Handel verändert sich seitdem ständig. Und das mit rasanter Geschwindigkeit. Bereits 2013 kündigte Amazon-Chef Jeff Bezos an, die Waren künftig per Drohnen zu liefern und hatte damals einen Prototyp vorgestellt.  

Der Online-Konzern experimentiert seitdem mit der Paketbelieferung per Drohne. In Kürze soll der Service nun unter dem Namen „Prime Air“ starten. Das kündigte der Konzern Anfang Juni 2019 auf einer Tech-Konferenz in Las Vegas an.

Die Drohne erobert sich Stück für Stück ihren Platz in der globalen Logistik. Google liefert bereits seit April 2019 in Australien Pakete per Drohne zu seinen Kunden. Das ist sicher ein weiterer Grund für Amazon seine lang gehegten Ambitionen auf diesem Gebiet in die Realität umsetzen.

Das vollautomatische und vollelektrische „Prime Air“-Fluggerät soll zunächst testweise kleine Haushaltswaren wie Zahnpasta oder Rasierer liefern, teilte Amazon mit. Den Angaben zufolge kann der Hexakopter 2,3 Kilogramm schwere Pakete innerhalb von 30 Minuten in einem Radius von 24 Kilometern zustellen. Angaben, wo genau das Gerät erstmals eingesetzt werde soll, machte Amazon nicht. In der Vergangenheit wurde die Drohne in Großbritannien getestet, wo 2016 auch die erste Lieferung stattfand.

Amazon-Consumer-Chef Jeff Wilke mit Prime-Air-Frachtdrohne.

Der IT-Nachrichtendienst Heise beschreibt das Design der Amazon-Drohne als unkonventionell. Die aufwendige Künstliche Intelligenz an Bord sei außergewöhnlich und soll für eine möglichst hohe Sicherheit im vollautomatischen Flugbetrieb und beim Liefervorgang sorgen. Die Drohne sei schätzungsweise etwa 160 cm im Durchmesser groß. Amazon selbst habe dazu zwar keine Angaben gemacht, die Größe lasse sich aber über Fotos abschätzen. Angetrieben werde das Fluggerät von sechs Elektromotoren.

Video – Amazon Prime Air’s New Delivery Drone

Enormes Paketaufkommen

Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt das jährliche Paketaufkommen in Deutschland ab dem Jahr 2025 auf fünf Milliarden Pakete, also eine Verdoppelung im Vergleich zu heute. Das wird deutsche Innenstädte in absehbarer Zeit vor Herausforderungen stellen, insbesondere in Bezug auf den Verkehr.

Allein wegen der schieren Menge an Paketen sind Konzepte mit Drohnen und Robotern nach Ansicht der Hamburger Unternehmensberatung MRU nicht effizient genug. Deshalb geht MRU davon aus, dass sich die Drohnenlieferung nicht durchsetzen wird.

„Den bislang präsentierten Geräten fehlt es in aller Regel an einer ausreichenden Transportkapazität und/oder Reichweite“, sagt Horst Manner-Romberg, MRU-Geschäftsführer.

Paketflut überfordert Innenstädte

Dadurch, dass Konsumenten ihre Einkäufe mehr und mehr online erledigen, statt im stationären Einzelhandel, werden Städte in Zukunft vor ein großes Problem gestellt. Besonders Großstädte sind vom Online-Bestellaufkommen betroffen, da der Platz für Logistik-Flächen dort begrenzt ist. Lieferdienste arbeiten bereits an innovativen Methoden, um sich diesen Umständen anzupassen.

Bisher werden Bestellungen in Logistik-Centern und anderen Umschlagsorten meist vor den Stadtgrenzen bearbeitet, um dann vom Paketboten großer Logistik-Konzerne wie DPD, DHL, Hermes und Co. zum Kunden geliefert zu werden. Das belastet vor allem das Verkehrsaufkommen in den Innenstädten, da nicht nur Privathaushalte, sondern auch gewerbliche Betriebe beliefert werden müssen. Neue Konzepte gibt es bereits: In einer französischen Stadt wurden alte Straßenbahnen genutzt, um Pakete von einem Lager am Stadtrand ins Zentrum zu schaffen.

Die Deutsche Post versteht sich als E-Pionier: Mit 3.000 eigens produzierten Streetscootern stellt sie Briefe und Pakete zu.

DHL Streetscooter

Zentrale Micro-Depots und Hubs

Aber diese Menge an Lieferungen wird auch nicht mithilfe von Drohnen zu bewerkstelligen sein. Diese seien noch nicht ausgereift genug und könnten die Lasten nicht tragen, so Manner-Romberg. Tür-zu-Tür-Lieferungen, insbesondere für Privatverbraucher, werden in Zukunft allerdings abnehmen.

Boris Winkelmann, der Geschäftsführer des Paketdiensts DPD, sagte kürzlich der „Wirtschaftswoche“: „Die Abholung von Sendungen direkt vom Paketshop oder vom Paketkasten wird hingegen weiter an Bedeutung gewinnen“, da Hauslieferungen schlichtweg zu teuer seien.

Bereits jetzt werden sogenannte Micro-Depots und Hubs getestet. Ob Paketautomaten, Sammelstellen für Pakete oder Container: Die großen Lieferanten sehen sich bereits nach zentraleren Alternativen um, um Kosten zu sparen und ihre Effizienz auszubauen.

Ausblick

Dennoch hat auch DHL die dritte Generation ihres „Paketkopters“ getestet. Bereits 2016 konnte die Helikopterdrohne in der Gemeinde Reit im Winkl und auf der Winklmoosalm 130 autonome Beladungen und Entladungen unternehmen. Die Drohne konnte dabei eine Last von zwei Kilogramm tragen und mit einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde fliegen.

DHL Paketkopter

China ist da schon etwas weiter. Dort liefert das Unternehmen „ele.me“ bereits Lebensmittel in einem 57 Quadratkilometer umfassenden Industriepark aus. Die Drohne liefert den Kunden die Ware zwar nicht von Tür zu Tür, sondern lediglich von Drohnenstation zu Drohnenstation. Dennoch spart es den Auslieferern viel Zeit. Die müssen die Lebensmittel nur noch vom Drohnen-Standort abholen und zum Kunden bringen. Auch in Teilen Neuseelands liefert das amerikanische Unternehmen „Flirtey“ Pizzen bereits per Drohne aus.

Ab wann gibt es Drohnen-Päckchen für jeden?

Eine Großstadt, in der Drohnen am Himmel kreisen, die kleine Päckchen unter ihren Propellern tragen und diese langsam vor den Haustüren absetzen. Das mag zwar stark nach dem Szenario aus einem Science-Fiction-Films aussehen, ist aber nicht abwegig. Seit dem ersten luftbasierten Roboter hat sich bereits einiges getan. Die Forschung arbeitet ständig an der Weiterentwicklung der Lieferdrohne, um neue Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen.

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