DIGITALE DEMENZ

Das menschliche Gehirn schrumpft seit etwa 10.000 Jahren. Mehr als zehn Prozent büßte unser Denkapparat seitdem an Masse ein. Dieser Tatsache müssen wir ins Auge sehen. Doch Fakt ist auch, dass Forscher darüber rätseln, ob ein Zusammenhang zwischen Gehirngröße und Intelligenz besteht.

Für den heutigen „Homo Digitalis“ ist ein Leben ohne Internet zwar möglich, aber sinnlos. Heute läuft alles online und digital ab und für jüngere Genrationen ist es ein Wunder, dass es ihre Eltern tatsächlich geschafft haben, ohne Facebook, Google und WhatsApp durch den Tag zu kommen.

Mittlerweile kommunizieren wir rund um die Uhr. Es piept, klingelt und vibriert überall. Aber ist das wirklich positiv? Kritiker sprechen von digitaler Demenz und erklären, dass die dauerhafte Nutzung des Internets die Menschen immer dümmer macht. Doch was ist wirklich dran an dieser These?

Wissenschaftler sprechen von „digitaler Demenz“.

Reizüberflutung kann dem Gehirn schaden

Kommt Ihnen das bekannt vor? Während der Arbeit ist das E-Mail-Postfach ständig geöffnet, zusätzlich werden noch der aktuelle Live-Ticker zu den neuesten Nachrichten überflogen, Kommentare zu einem spannenden Artikel gelesen und natürlich immer nebenbei aktualisiert, was auf den sozialen Netzwerken alles passiert. Kurzum: Es kommt zu einer dauerhaften Reizüberflutung, die nicht ohne Folgen für das Gehirn bleibt. Der Grund: Das Gehirn befindet sich in einem permanenten Stresszustand.

Zuerst sinkt dabei die Konzentrationsfähigkeit. Gerade Mitarbeiter im Büro werden ständig bei der Arbeit unterbrochen. Hand aufs Herz: Erinnern Sie sich daran, wann Sie das letzte Mal für längere Zeit wirklich komplett ungestört und ohne Ablenkungen gearbeitet haben?

Die ständige Reizüberflutung – gerade durch das Internet – wird auch mit negativen Auswirkungen auf die Lernfähigkeit und die Kreativitätin Verbindung gebracht. Eine Studie des King’s College London bestätigt,  dass Menschen, die neben ihrer Arbeit fortwährend E-Mails lesen und schreiben, so arbeiten, als hätten sie einen um bis zu zehn Punkte geringeren Intelligenzquotienten.

Aber kann man wirklich davon sprechen, dass das Internet dumm macht?

Reizüberflutung kann das Gehirn schädigen.

Google-Effekt

Der Google-Effekt, auch „digitale Amnesie“ genannt, ist die Tendenz, Informationen zu vergessen, die mithilfe von Internet-Suchmaschinen leicht online gefunden werden können. Laut der ersten Studie über den Google-Effekt ist es weniger wahrscheinlich, dass sich Menschen an bestimmte Details erinnern, von denen sie glauben, dass sie online verfügbar sind. Die Studie behauptet jedoch auch, dass die Fähigkeit der Menschen, Informationen offline zu lernen, dieselbe bleibt. Dieser Effekt kann auch als Änderung dessen angesehen werden, welche Informationen und welcher Detaillierungsgrad als wichtig erachtet werden.

Unabhängig davon,ob man der Studie Glauben schenkt, lässt sich im Alltag der Google-Effekt gut beobachten. Um nur zwei beliebte Beispiele zu nennen: Wie viele der Telefonnummern Ihrer besten Freunde kennen Sie noch auswendig? Vermutlich nicht sehr viele, schließlich gibt es ja das Smartphone. Und wie sieht es mit den zugehörigen Geburtstagen aus? Während die eigene Familie meist noch in der Erinnerung ist, gibt es ja Facebook, um keinen anderen Geburtstag mehr zu vergessen.

Fakt ist, dass wir uns immer weniger merken müssen, weil wir immer mehr Informationen im Handy oder im Internet finden. Weil das Gehirn ähnlich wie ein Muskel funktioniert, will es aber gefordert und trainiert werden. Fehlen diese Anreize, nimmt auf Dauer auch die Leistungsfähigkeit ab.

Was passiert in einer Minute im Internet? (2018)

Das Internet ist nicht generell schlecht

Bevor Sie nun jegliche Suchmaschine meiden, sollten Sie sich aber bewusst machen, dass das Internet natürlich nicht grundsätzlich schlecht ist. Es ist absolut nichts dagegen einzuwenden, wenn Sie Google oder andere Seiten nutzen, um Dinge nachzuschlagen, die Sie nicht wissen. Denn das Internet ist und bleibt ein Wissensmedium. Wie und wann dieses verwendet wird, hängt in erster Linie vom Nutzer ab.

Sicher werden einige der Versuchung erliegen, aus der schieren Masse der Reize und aus purem Phlegmatismus kaum noch auszuwählen, zu hinterfragen und zu gewichten. Es sind aber vermutlich dieselben Zeitgenossen, die vorher andere Medien, wie Fernsehen, Radio und Zeitungen auch so gehandhabt haben.

Das wichtige Stichwort an dieser Stelle lautet „Medienkompetenz“. Damit ist die Fähigkeit gemeint, mit solchen Informations- und Kommunikationskanälen richtig umzugehen.

Welche Inhalte der Nutzer abruft, ob er sich dabei bildet oder sich nur berieseln lässt, liegt allein in seiner Verantwortung. Es ist kein Fehler, einen Namen nicht zu kennen. Oder wissen Sie spontan, wie der König von Thailand heißt? Es liegt jedoch an Ihnen, ob Sie den Namen raussuchen und sofort wieder vergessen oder ob Sie etwas dazulernen wollen und die Information langfristig abspeichern.

Eine passende Parabel: Oder ist vielleicht der Supermarkt daran schuld, wenn sich die Menschen nur von Tiefkühlpizza und Dosenbier ernähren? Eben. Auch hier besteht ein großes Angebot, wie dieses genutzt wird, hängt aber vom Verbraucher ab.

Außerdem, ganz nebenbei: Wer bei der Arbeit unter Stress steht, darf sich abends ruhig entspannen und unterhalten – pardon, berieseln – lassen. Eine Pflicht zu permanenter Bildung besteht nicht.

Das Internet ist nicht generell schlecht.

Fazit

Ob es bei Menschen einen Zusammenhang zwischen Gehirngröße und Intelligenz gibt, ist unter Forschern nach wie vor umstritten. Auch die Hypothese, dass die exzessive Nutzung des Internets und moderner Medien das Hirn schrumpfen lassen, kann nicht belegt werden. Und selbst dann, wenn sich das bestätigen würde, lässt sich nicht so ohne Weiteres eine Kausalität zwischen Gehirnvolumen und Intelligenz ableiten, denn Tatsache ist auch, dass Frauen im Schnitt kleinere Gehirne haben als Männer. Bei Männern beträgt das Volumen etwa 1.400 Milliliter, bei Frauen etwa 200 Milliliter weniger. Und es gibt keine Belege dafür, dass Frauen weniger intelligent sind als Männer.

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