MÜDE TAUBE?

Kuh und Kröpper

Im Ruhrgebiet wird auch heute noch die Brieftaube als „Rennpferd des kleinen Mannes“ bezeichnet. Aufgewachsen im Essener Süden – zwischen Zeche Heinrich und Schacht Theodor – kann ich mich noch gut daran erinnern, als Kind öfter tote Tauben hinter unserem Haus gefunden zu haben, die während ihres Fluges unbeabsichtigt in Kontakt mit einer der Hochspannungsleitungen gekommen waren, die hinter unserem Garten verliefen und sich von einem Mast zum anderen spannten.

Hochspannungsleitungen

Der Vater eines Freundes in der Nachbarschaft war Bergmann, Taubenzüchter und Mitglied des Taubenzüchtervereins „Luftboot Altendorf“. Ein waschechter „Taubenvatta“, wie man im Ruhrgebiet sagte. Noch heute höre ich seine Rufe, die vom geöffneten Fenster des Taubenschlages hinter seinem Haus herüberschallten: „Komm Hans, komm!“

Viele Jahrzehnte gehörten die „Kröpper“ zum Bergmann, ebenso wie seine „Kuh“, also die Ziege im Stall. Doch bereits damals hatte die Taube als Transportmittel ausgedient und wurde hauptsächlich für Flugwettbewerbe gehalten und gezüchtet. Oft wird dabei vergessen, dass in früheren Zeiten Brieftauben verwendet wurden, um Nachrichten zu übermitteln. Die Taubenpost war der Anfang der Flugpost.

Brieftauben waren vor der Erfindung von Telegrafie und Telefonie die einzige Möglichkeit, Informationen schneller zu übermitteln als durch einen Boten. Zudem konnten Tauben im Krieg Nachrichten auch ohne Aufsehen über feindliche Stellungen hinweg transportieren. Dazu mussten sie allerdings zuvor vom gewünschten Zielort herbeigeschafft sein, was naturgemäß schwierig war.

Taubenschlag auf dem Dachboden

Es dauerte viele Jahrhunderte, bis die Brieftaube durch neue Technologien überflüssig wurde. Ständig neue Entwicklungen und immer kürzer werdende Halbwertszeiten erschweren allerdings den Ausblick in die Zukunft. Was heute modern und etabliert ist, kann morgen schon wieder veraltet sein und durch bessere Technologien ersetzt werden.

Dennoch wage ich am Ende dieses Artikels eine Prognose.   

Wann wurde die E-Mail erfunden?

Als offizieller Erfinder der E-Mail gilt Ray Tomlinson. Bereits 13 Jahre vor der ersten E-Mail in Deutschland Ende 1971 gelang es ihm, eine Nachricht über das ARPANET von einem Computer zu einem anderen zu schicken. Tomlinson wählte das @-Zeichen, um den Benutzernamen mit dem Hostnamen des Computers zu verknüpfen und so eine individuelle Adresse festzulegen, an die etwas versendet werden konnte. Dieses Zeichen wurde verwendet, da es bis dahin noch keine Verwendung in der Informatik fand.

Die erste E-Mail wurde am 3. August 1984 um 10:14 Uhr MEZ in Deutschland empfangen und ging mit der E-Mail-Adresse „rotert@germany“ an Michael Rotert von der Universität Karlsruhe. Gesendet wurde diese von Laura Breeden aus Amerika.

Ende der E-Mail?

Seit ihrer Erfindung hat die E-Mail eine steile Karriere hingelegt und sich zum Standard in jedem Büro entwickelt. Weder Facebook, WhatsApp noch andere Messaging-Dienste konnten der E-Mail am Arbeitsplatz bisher etwas anhaben.

Droht ihr jetzt das gleiche Schicksal wie einst der Brieftaube?

Nach Ansicht des Investitions- und Beratungsunternehmens GP Bullhound ist das so, wie aus einem aktuellen Bericht hervorgeht.

Ich sehe das nicht ganz so pessimistisch. Die folgende Statistik zeigt eine Schätzung der Anzahl der täglich versendeten und empfangenen E-Mails von 2018 bis 2022. Quelle: Technologie-Marktforschungsunternehmen „The Radicati Group“.

In Deutschland wurde das Internet im Jahr 2017 von 84 Prozent der Bevölkerung zum Versenden und Empfangen von E-Mails genutzt.

Prognose zur Anzahl der täglich versendeten und empfangenen E-Mails weltweit von 2018 bis 2022 (in Milliarden)

Die Deutschen hängen an der E-Mail

GP Bullhound kommt zu dem Ergebnis, dass E-Mails in den USA out sind. Die Anzahl der versendeten E-Mails stagniert. Das sei bei der geschäftlichen als auch bei der privaten Nutzung zu beobachten, so GP Bullhound.

Tatsächlich wächst die E-Mail-Nutzung in den USA kaum noch. Nach einer Prognose von Statista und eMarketer soll sie 2019 auf eine Wachstumsrate von 1,2 Prozent zurückfallen (Siehe Infografik).

E-Mail-Nutzung in den USA von 2013 bis 2019

Auch in Deutschland wächst die E-Mail-Nutzung nicht mehr so stark wie in den Anfangsjahren, hat seit 2016 aber wieder einen Aufschwung erfahren.

Kann die elektronische Post im Zeitalter der Messenger noch mithalten?

Mit dem Aufkommen von Messenger-Diensten wie WhatsApp, Facebook Messenger und Threema haben sich schnelle und bequeme Kommunikationskanäle etabliert, die ihren Erfolg vor allem der starken Verbreitung und Nutzung von Smartphones zu verdanken haben. Geräte, die auch im Arbeitsalltag eine dominante Rolle einnehmen.

Messenger sind im Alltag ein wunderbares Tool für unkomplizierte und schnelle Kommunikation. Auf Arbeitsebene sehe ich sie in naher Zukunft dagegen weder als Allzweckwaffe noch als Ersatz für die E-Mail. Dies aber nicht nur, weil bei Messengern ähnliche Probleme wie bei der elektronischen Post auftreten. Vor allem bei der Kommunikation aus dem Unternehmen heraus wird die E-Mail weiterhin den Standard darstellen. Denn nur, weil firmenintern auf Messenger gesetzt wird, bedeutet das nicht, dass andere diesem Beispiel folgen. Und selbst wenn, muss es nicht derselbe Anbieter sein. Hier wird dann letzten Endes die Kompatibilität zum Problem. Denn wer möchte allein im Job über verschiedene Messenger-Dienste kommunizieren?

Teilen Sie mir Ihre Erfahrungen mit. Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.