TOAST HAWAII

Die erste Kochsendung

Das Kochen im deutschen Fernsehen ist beliebt wie nie. Kochshows, Kochduelle, kulinarische Reisereportagen, hochwertige Porträts von Meisterköchen – die Vielfalt ist beeindruckend. Angeblich gibt es mehr als 40 verschiedene Formate und ständig kommen neue dazu.

Begonnen hat alles mit „Clemens Wilmenrod“, Deutschlands erstem Fernsehkoch. Als seine Sendung „Clemens Wilmenrod bittet zu Tisch“ das erste Mal am 20. Februar 1953 ausgestrahlt wurde, lagen die entbehrungsreichen Nachkriegszeiten erst wenige Jahre zurück, der Krieg war gerade einmal acht Jahre zu Ende. Gesendet wurde aus dem „Bunker“ auf dem Hamburger Heiligengeistfeld, damals Sitz des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR).

Clemens Wilemrod bei der Arbeit

Wilmenrod, der mit richtigem Namen Carl Clemens Hahn hieß, wurde am 24. Juli 1906 geboren, in Willmenrod im Westerwald, daher auch sein Künstlername. Er war eigentlich Schauspieler, doch seine wahre Berufung entdeckte er als Fernsehkoch. Von 1953 bis 1964 wurden fast 200 Sendungen ausgestrahlt. Wenn er vor der Kamera kochte, waren die Straßen wie leergefegt. Am Tag nach der Sendung waren die Produkte, die er anpries, meistens vergriffen.

Toast Hawaii

Die Erfindung des Toast Hawaii wird dem bekannten Fernsehkoch zugeschrieben, der ihn 1955 in Deutschland erstmals vorstellte. In der Sendung drohte Wilmenrod ausdrücklich mit einem Messer zur Kamera, dass er der Erfinder sei und niemals jemand etwas Anderes verbreiten dürfe, er käme sonst persönlich vorbei.

Erfolgsrezept

Zur Zubereitung wird ein leichtgeröstetes Toastbrot gebuttert, mit je einer Scheibe Kochschinken oder rohem Schinken, Ananas und Käse – üblicherweise Schmelzkäse – belegt und überbacken. Verbreitet ist es auch, auf den fertigen Toast eine Cocktailkirsche, Preiselbeeren oder Ähnliches zu setzen oder ihn mit etwas süßem Paprikapulver zu würzen. Ähnlich werden auch andere Gerichte nach „Hawaii-Art“ mit Ananas und Käse zubereitet, zum Beispiel Pizza Hawaii oder Steak Hawaii.

Originalrezept „Toast Hawaii“

Tost Hawaii und Digitale Transformation

Stellen Sie sich vor, Sie sind Inhaber eines Restaurants. Würden Sie in Ihrer Speisekarte unter „Internationale Gerichte“ den Toast Hawaii anbieten?

Sicher nicht. Aber leider ist es genau das, was heute im übertragenen Sinn in vielen Unternehmen häufig passiert. Es wird versucht, ein altes Gericht mit einer hübschen Dekoration und einigen Beilagen so auf dem Teller zu drapieren, dass es wie eine neue Kreation wirkt. Der Gast soll den Eindruck gewinnen, er komme in den Genuss einer modern-innovativ interpretierten Küche mit klassischen Wurzeln, um am Ende der Mahlzeit festzustellen, dass er letztlich nur einen „Toast Hawaii 2.0“ verzehrt hat.

Gourmet-Cooking oder Hausmannskost?

Manche Hobbyköche und Gelegenheitsgourmets folgen einem – wie sie meinen – hippen Trend und suchen eine Neuorientierung hin zum Einfachen mit Rezepten aus Großmutters Traditionskochbuch. Andere bevorzugen die Crossover-Richtung, die sich durch das Zusammenspiel vieler Küchen auszeichnet. Oder doch lieber die asiatische Ausrichtung, die selbst Ur-Kreuzberger Köche als Evangelium ansehen?

Zugegeben, auch Hausmannskost macht satt. Liebhaber der unguten, schweren deutschen Kost wollen vermutlich auch in Zukunft nicht auf Mehlpampe und fettes Eisbein verzichten. Aber die sind in der Unterzahl und müssen eher einer aussterbenden Spezies zugeordnet werden, die außer Eisbein auch solchen kulinarischen Katastrophen, wie Schinkenröllchen, Kartoffelsalat und Käseigel à la Mama, frönt.

Savoir-vivre! Wer seinen Kunden allerdings mehr als den üblichen Einheitsbrei servieren will, sollte Bewährtes und Bekanntes schleunigst überprüfen und über neue Zutaten nachdenken!

Wie viel digitalen Wandel muss man mitmachen?

Auch wenn’s weh tut: Althergebrachtes hat in Zeiten des digitalen Wandels allenfalls nostalgischen Wert. Wer im Wettbewerb mithalten will, sollte nicht lange über Rezepte grübeln, sondern schnell etwas Neues auf den Tisch bringen!

Innovatives auf die Speisekarte!

Für den einen geht es beim digitalen Wandel nur um Technologie, für andere um neue Geschäftsmodelle und die Zukunft ihres Unternehmens. Recht haben sie alle, perfekte Umsetzungspläne die wenigsten. Dem Kunden ist das gleich. Denn mit Althergebrachtem gibt sich keiner zufrieden.

Digitalisierung geht alle etwas an

Erinnern Sie sich an Ihre Begeisterung beim ersten Gang ins Internet, an Ihre Hochstimmung beimVersand erster E-Mails oder beim ersten Online-Einkauf?

Diese Freude am Neuen ist nicht ohne Folgen geblieben. Im Internet der Dinge und Dienste verschmelzen Wertschöpfungs-, Waren- und Logistikketten zu komplett neuen Anwendungen und Interaktionen. Wer hier erfolgreich mitspielen will, muss schnell reagieren.

Darum kann nichts bleiben wie es ist!

Aktuelle Prognosen zeigen: Nur drei von fünf Unternehmen werden das kommende Jahrzehnt überstehen. Alle übrigen werden den Anforderungen einer sich täglich neu erfindenden digitalen Welt nicht standhalten und langfristig ganz vom Markt verschwinden.

Zögerlichkeit nutzt nur den Anderen. Wer behauptet, man könne sich vor Innovationen und neuen (Erfolgs-) Rezepten drücken, wird schon bald vor leeren Tellern sitzen. Die Feinschmecker-Süppchen werden derweil woanders gekocht und gegessen.

Auch Sie können das!

Orientieren Sie sich nach vorn, statt nach hinten zu blicken! Andere sind längst auf der Überholspur. Wenn Sie Fragen zur Digitalisierung und/oder Digitalen Transformation haben, sprechen Sie mich an.

Und denken Sie immer daran: Toast Hawaii war gestern …

Die Hochschule Darmstadt Institutfür Kommunikation & Medien hat ein Rezeptbuch herausgegeben, in dem Sie zahlreiche „Rezepte für den digitalen Wandel“ finden.

Hier geht’s zum DOWNLOAD.


Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.