FACEBOOK? IST MIR DOCH EGAL!

Meetings sind über jeden Zweifel erhaben, um nicht zu sagen notwendig. Schließlich müssen Ziele, Probleme und Strategien gemeinsam formuliert, festgelegt und gelöst werden. Tritt dabei etwas Unvorhergesehenes auf, kann das unangenehm werden. Das gilt besonders bei Kundenterminen, Präsentationen und Verkaufsgesprächen.

Eine unerwartete Frage

Im Rahmen eines geplanten Projekts zur Automatisierung der Auftragsbearbeitung nahm ich vor Kurzem an einem Meeting teil, bei dem das Unerwartete in Form einer Frage eintrat. Das Projektteam des Kunden bestand aus sieben Mitarbeitern verschiedener Bereiche. Mit am Tisch saßen zwei meiner Kollegen zur technischen Unterstützung.

Das Projektteam unseres Kunden setzte sich aus Vertretern unterschiedlicher Generationen zusammen, angefangen beim IT-Leiter (Babyboomer), über die Leiterin des Einkaufs (Generation X) bis hin zu Mitarbeitern aus anderen Fachbereichen, die den Generationen X und Y angehörten.

Die folgende Grafik zeigt eine Übersicht bzw. Klassifizierung der Generationen:


Quelle: https://www.absolventa.de/karriereguide/berufseinsteiger-wissen/xyz-generationen-arbeitsmarkt-ueberblick

Eben jene „Generation Y“ zeichnet sich durch solche Merkmale aus, wie Vernetzung und Teamwork und verfügt über eine ausgeprägte Affinität zum Web 2.0 und Social Media als bevorzugten Kommunikationskanälen.

Ein etwa 25-jähriger Key-User aus dem Bereich der Auftragsbearbeitung stellte die folgende Frage: „Das System soll weitere Anbindungsmöglichkeiten für zukünftige Eingangskanäle bieten. Wie gehen Sie damit um?“

„Das müssen Sie etwas genauer erläutern. Was genau meinen Sie mit zukünftigen Eingangskanälen“, fragte ich erstaunt.

„Ganz einfach“, lautete seine Antwort. „Ich meine WhatsApp, iPhone, Chat Bot und so weiter. Welche Möglichkeiten bieten Sie an?“

Ich muss zugeben, dass wir die Frage nicht zufriedenstellend beantworten konnten. Wir verwiesen darauf, dass wir einen Webservice anbieten, der weitere Eingangskanäle individuell zulassen könnte, aber das war nicht die Antwort, die der junge Mann hören wollte.

Im Nachhinein ergab sich, dass die Frage nicht so trivial ist, wie sie zunächst klingt. Sie birgt nämlich einigen Sprengstoff hinsichtlich der neuen Datenschutzverordnung (DSGVO).

In einem Artikel beantwortet Dr. Hauke Hansen, Fachanwalt für IT-Recht, wichtige Fragen zur betrieblichen Nutzung von WhatsApp sowie zum Datenschutz.

Was ist erlaubt, was nicht – und welche Lösungen sind möglich?

Zwischen Glück und Abhängigkeit

Die aktuelle DIVSI U25-Studie „Die Generation Internet“ zwischen Glück und Abhängigkeit“* unterstreicht, dass die zwischen 1980 und 2000 Geborenen in der Zeit des Internetbooms und der Globalisierung aufgewachsen sind und der Umgang mit WhatsApp & Co. Normalität für sie ist. Diese „Digital Natives“ sind Menschen, die als mutmaßlich kompetent im Umgang mit digitalen Medien gelten, weil sie mit diesen aufgewachsen sind und ihre Sozialisation in einer durch das Netz geprägten Welt stattfand. Für sie ist das Internet gewissermaßen Normalzustand. Nur so ist zu erklären, warum ein junges Mitglied des zuvor genannten Projektteams dafür sorgte, dass die oben erwähnte Frage Bestandteil des Lastenheftes wurde.

Die Studie* liegt hier kostenlos zum Download für Sie bereit.

99 Prozent nutzen das Internet

In der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen gibt es keine „Offliner“ mehr. 99 Prozent nutzen das Internet mindestens einmal täglich, ein knappes Drittel versteht sich als „always on“, im Sinne von „eigentlich nie offline“. Ein Großteil (70 Prozent) nutzt mehrmals täglich Webseiten, Apps, Suchmaschinen oder andere Angebote.

Genau genommen wird das größte soziale Netzwerk der Welt (Facebook) von „nur“ 67 Prozent gelegentlich bis regelmäßig genutzt. Aber nur 8 Prozent könnten sich nicht vorstellen auf Facebook zu verzichten. Bei Instagram sieht es ähnlich aus, nur YouTube ist bei der Jugend einen hohen Stellenwert.

Wirklich wichtig ist am Ende aber nur WhatsApp. Über 60 Prozent können sich nicht vorstellen darauf zu verzichten.

Quelle: DIVSI U25-Studie

WhatsApp Business

Im Januar startete das Unternehmen seinen neuen Dienst „WhatsApp Business“. Die App macht es Betrieben einfacher, mit ihren Kunden zu kommunizieren. Auf häufig gestellte Fragen können Betriebe beispielsweise mit einem vorher angelegten Standardtext antworten, ohne diesen jedes Mal wieder neu eintippen zu müssen. WhatsApp Business bietet zudem die Möglichkeit, eine automatische Abwesenheits- oder Begrüßungsnachricht einzurichten.

Datenschutz: Wo liegt das Problem für Unternehmen, die WhatsApp betrieblich nutzen?

Das Problem liegt vor allem in der Synchronisation der Kontaktdaten. Wer den Messenger auf seinemSmartphone nutzt, gewährt WhatsApp Zugriff auf sein Adressbuch. Somit erhält der US-Konzern auch Telefonnummern von Kontakten, die den Messenger überhaupt nicht nutzen. Was die Facebook-Tochter mit diesen Daten anstellt, ist nicht bekannt. Fakt ist jedoch, dass die Telefonnummern so ohne Berechtigung an das US-Unternehmen weitergegeben werden. Viele Juristen sind mittlerweile der Meinung, dass Nutzer damit wahrscheinlich Datenschutzverstöße begehen.

Dürfen Unternehmen per WhatsApp mit ihren Mitarbeitern kommunizieren?

Zum Mitarbeiterkontakt über WhatsApp muss der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern ein Diensthandy zur Verfügung stellen. Ist dies geschehen, ist es grundsätzlich egal, ob der Chef seinem Mitarbeiter eine SMS, E-Mail oder WhatsApp auf das Smartphone schickt.

Unternehmen sollten sich jedoch fragen, ob sie es akzeptieren können, dass eine Menge unter Umständen sensibler Daten unkontrolliert an Dritte im Ausland weitergegeben werden. Es ist zudem nicht klar, inwiefern Regeln, die für Facebook gelten auch für dieWhatsApp-Nutzung relevant sind. Bei Facebook treten die Nutzer für die von ihnen geposteten Inhalte ihre Rechte ab. Diese können laut AGB zumindest theoretisch zu Werbezwecken genutzt werden. Dasselbe steht auch in den WhatsApp-AGB.

Ob Inhalte tatsächlich ausgelesen werden, ist unklar. Der Messenger-Dienst selbst gab an, dass er durch die eingeführte End-To-End-Encryption (E2EE) keine Chats mehr mitlesen kann.

Fazit

Das Internet ist immer da. Mehr noch – es ist in vielen Lebensbereichen alternativlos. Diese Feststellung der 9,34 Mio. 14- bis 24-Jährigen in Deutschland ist weniger eine banale Erkenntnis, als vielmehr eine Sichtweise, die die Einstellungen und Verhaltensweisen junger Menschen entscheidend prägt. Die Art und Weise, wie sie die Digitalisierung des Alltags erleben, gestalten und für die Zukunft wünschen, ist wesentlich durch diese Grundvoraussetzung bestimmt.

Im Hinblick auf die eingangs beschriebene Fragestellung, sich mit Kunden und Lieferanten über WhatsApp und andere Kanäle auszutauschen, sollten sich Unternehmen jedoch fragen, ob sie es akzeptieren wollen, dass eine Menge unter Umständen sensibler Daten unkontrolliert an Dritte im Ausland weitergegeben werden.

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