THE 96 h INVINCIBLE MAN

Neulich im Drogeriemarkt meines Vertrauens: Die charmante Promoterin empfängt mich mit einem Lächeln direkt am PoS (Point of Sale) und empfiehlt mir ein 96-Stunden-Deo mit angeblich atemberaubender Duftnote. Als wenn ich das nötig hätte …

Ich sage ihr, dass ich mit dem bisher verwendeten Deo eigentlich sehr zufrieden bin und ich mir keine Situation vorstellen kann, die mich dazu zwingen würde, mich 96 Stunden nicht zu duschen.

„Das sind volle vier Tage!“, sage ich leicht irritiert. „Und was soll das? Darf ich in dieser Zeit nicht duschen? Was ist mit dem Rest meines Körpers?“

„So dürfen Sie das nicht sehen“, sagt sie bestimmt. „Die 96 Stunden sagen nur etwas über die Wirksamkeit unseres Deos aus.“

„Das verstehe ich nicht“, antworte ich.

Sie blickt kurz auf mein Handgelenk bevor sie antwortet: „Wie ich sehe, tragen Sie eine Armbanduhr, die bis hundert Meter wasserdicht ist. Und – sind Sie schon mal hundert Meter tief getaucht?“

Ich muss zugeben, dass ich mich in solche Tiefen niemals vorwagen würde, ahne aber, worauf die Frage abzielt.

Um es kurz zu machen: Das „Hochleistungsdeo“ habe ich nicht gekauft, wenngleich die verwendete Argumentationskette gut aufgebaut war. Wer wäre nicht gerne „The Invincible Man“, auch, wenn es nur 96 Stunden sind?

Zuhause angekommen recherchierte ich ein wenig im Internet und war froh, dass ich das Angebot abgelehnt hatte. Zum einen verspürte ich keine Lust meine Achseln zu „versiegeln“ und zum anderen war das Deo in einem Test mit „mangelhaft“ bewertet worden, nicht zuletzt deshalb, weil es Silikonverbindungen und gesundheitsbedenkliche Aluminiumsalze enthält. 

Ausgefallene Produkteigenschaften

Die Idee, mit ausgefallenen Produkteigenschaften zu werben, ist nicht neu. So verwundert es auch nicht, dass die FMCG*-Branche dieses Terrain bereits vor Jahren für sich entdeckt hat.

*Fast Moving Consumer Goods bezeichnet Konsumgüter, die besonders häufig gekauft und in der Regel täglich benötigt werden (z. B. Lebensmittel, Reinigungsmittel und Körperpflegeprodukte). 

Eine bekannte Marketingagentur wirbt auf Ihrer Homepage:

Ihr Produkt ist nicht sexy? Na und? Seien Sie kreativ! Lassen Ihr Produkt in ganz neuem Glanz erscheinen. Beispiel gefällig? 

Dann folgt ein Beispiel für ein Produkt, das bei Ebay verkauft wird. Dabei handelt es sich um den „3 Miles Pencil“. Es geht um einen Bleistift, mit dem man angeblich eine Linie von mehr als drei Meilen zeichnen kann. Wem das zu abstrakt erscheine, der müsse wissen, dass man mit dem Bleistift einen Tennisplatz 70 Mal umrunden oder 25 Stunden ununterbrochen schreiben könne. Aber das sei noch nicht alles: Mit 22 dieser Bleistifte könne man die gesamten Werke von Shakespeare schreiben.

Wow! Was für ein Bullshit! Wer bitteschön würde sich zu einer der o. g. Aktionen hinreißen lassen? Ich bekomme bereits Rückenschmerzen, wenn ich mir vorstelle, nur einmal einen Tennisplatz in gebückter Haltung zu umrunden.

Es folgt der Hinweis darauf, dass sich erfolgreiche Verkäufer gerne des „Storytellings“ bedienen, weil die meisten Menschen im Verkaufsprozess unterhalten werden wollen und deshalb müsse der Kundennutzen „eingepackt“ werden. Und genau das hätten die Produzenten des 3 Miles Pencils geschafft. Sorry, aber …

… Storytelling geht anders!

Es lassen sich 5 Elemente nennen, die ein exzellentes Storytelling ausmachen. In dem o. a. Beispiel ist davon nicht ein einziges enthalten.

Die 5 Elemente des Storytellings sind: Personen, Inhalt, Motive und Hintergrund, Konflikt, Lösung.

Storytelling als Teil der E-Commerce-Strategie

Im Storytelling liegt eine hervorragende Chance für mehr Abverkauf und Wiederbesucher. Ein wichtiges Ziel dabei ist, durch Information und glaubwürdige Beratung aus dem Nutzungserlebnis in Onlineshops ein einzigartiges Markenerlebnis zu schaffen. User sollen den Shop einfach nutzen können und im authentischen Umfeld perfekt informiert und beraten werden. Individuelle Geschichten rund um das Produkt und die Company sind hierfür sicherlich eine der besten Möglichkeiten.

Im Prinzip geht es beim Storytelling schlicht darum, eine spannende Geschichte zu erzählen. Im Normalfall kommen dabei die klassischen schriftstellerischen Komponenten ins Spiel: ein Konflikt und dessen Bewältigung, ein Held oder eine Heldin und der geschickte Aufbau einer Spannungskurve. Kurzum – die zuvor erwähnten 5 Elemente.

Hier noch einige wertvolle Tipps:

– Halten Sie es einfach. Nicht zu viele Figuren. Nicht zu viele Erklärungen.

– Halten Sie es kurz. Im Web können die Leser sofort wegklicken, wenn es langweilig wird.

– Starten Sie mit einem Kracher. Nur dann wird die Geschichte gelesen.

– Arbeiten Sie mit starken Bildern. Die besten Geschichten sind Bildergeschichten mit wenigen Worten.

– Machen Sie es witzig. Wenn Ihre Leser lachen, haben Sie gewonnen.

Wenn Sie Fragen zum Thema E-Commerce haben, kontaktieren Sie mich. Ich freue mich auf Ihre Anfrage!

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.