VORSICHT KREUZOTTER

Schönramer Filz

Während unseres diesjährigen Urlaubs am Waginger See in Oberbayern erforschten wir während einer Wanderung das angrenzende Umland. Rund um den See trifft man auf zahlreiche Gelegenheiten in die Landschaft einzutauchen und sich ganz der Natur zu widmen. An einem sonnigen Tag besuchten wir das „Schönramer Filz“, ein mystisches Moor, das ein malerisches Bild aus längst vergessener Zeit zeichnet und zu den größten Hochmooren Südostbayerns zählt. 

Der Moorsee

Es gibt sie noch – die heimische Kreuzotter!

Auf dem zirka 3,4 Kilometer langen Rundwanderweg erlebt man auf eindrucksvolle Weise was passiert, wenn man die Natur sich selbst überlässt. Nach dem Ende des Torfabbaus Anfang des letzten Jahrhunderts hat sich das Schönramer Filz (bayerisch für Moor) zu dem entwickelt, was es heute ist: Eine der bedeutendsten Moorlandschaften in Oberbayern.

Auf dem Weg durch die Heide schlängelte sich plötzlich ein dunkles Etwas von einer Seite des Weges zur anderen, und wir blieben instinktiv stehen. Erst bei genauerem Hinsehen erkannten wir, dass es sich dabei um eine Schlange handelte. Zunächst hielten wir das Reptil für eine Ringelnatter, doch anhand der kontrastreichen Zeichnung und des typischen V-förmigen Abzeichens auf dem Kopf und dem Zickzackband auf dem Rücken war schnell klar, dass wir eine Kreuzotter vor uns hatten.

Kreuzotter

Von Natur aus scheu

Kreuzottern sind die einzigen in Bayern vorkommenden Schlangen, deren Biss giftig ist. Glücklicherweise sind Kreuzotterbisse sehr selten, denn die Tiere greifen Menschen niemals von sich aus an. Sie beißen nur, wenn sie sich verteidigen müssen. Von Natur aus sehr scheu, flüchten sie bei Gefahr.

Giftiger als eine Diamant-Klapperschlange!

Obwohl das Gift der Kreuzotter (Viperaberus) etwa zwei- bis dreimal giftiger ist als das Gift der Diamant-Klapperschlange (Crotalus adamanteus), ist ein Biss auf Grund ihres geringen Giftvorrats von nur 10 bis 18 Milligramm Trockengewicht in der Regel nur für Kinder und ältere Menschen gefährlich.

Diamant-Klapperschlange

Da die Kreuzotter das giftige Sekret, welches sie zum Jagen von Mäusen, Fröschen, Blindschleichenoder anderen Tieren benötigt, nicht einfach verschwendet, verwendet sie von ihrem geringen Vorrat bei einem Großteil der Verteidigungsbisse zudem entweder gar kein oder nur sehr wenig Gift.

Eine bedrohte Art?

Die ältesten eindeutig der Kreuzotter zuzuordnenden Fossilien stammen aus dem frühen „Miozän“, das vor 23,03 Millionen Jahren begann und vor 5,33 Millionen Jahren endete. Das ist eine beachtlich lange Zeit und zeugt von einer sehrerfolgreichen Überlebensstrategie der Art.

Selbstverständlich hat die Kreuzotter natürliche Feinde, wie Wildschweine, Marder und Füchse. Auch Mäusebussarde und Graureiher erbeuten regelmäßig Kreuzottern. Aber die größte Gefahr ist der Mensch!

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft verschwanden Hecken und Raine und damit die Lebensräume der Kreuzottern. Auch der Wald wird heute anders bewirtschaftet. Moore und Feuchtwiesen wurden abgetorft und entwässert. Die ehemals dynamischen und breiten Flussauen im Voralpenland werden nicht mehr regelmäßig überschwemmt und wuchern zu. All dies macht viele angestammte Habitate für die Kreuzotter unbewohnbar.

Und dennoch besitzt die Kreuzotter von allen Vipern das größte und zugleich das nördlichste Verbreitungsgebiet, zudem ist sie die einzige Schlangenart, die auch nördlich des nördlichen Polarkreises angetroffen werden kann. Von daher kann man davon ausgehen, dass der Bestand der Art auch in Zukunft gesichert ist, wenngleich sie in vielen Regionen vom Aussterben bedroht ist.

Überlebensstrategie

Wissenschaftlervon der Universität von Arkansas in Fayetteville haben 2008 herausgefunden, dass Schlangen lange Hungerperioden durchstehen, indem sie ihre Körperfunktionen auf „Standby“ schalten.

Die Zoologen ließen drei Schlangenarten, einen Königspython, eine Klapperschlange und eine Giftnatter, für 168 Tage hungern. In dieser Zeit hielten sie das Terrarium auf einer konstanten Temperatur von 27 Grad Celsius. Die wechselwarmen Reptilien, deren Körpertemperatur sich an die Umgebung anpasst – und nicht, wie bei gleichwarmen Tieren, immer etwa gleich hoch ist – konnten also keine Energie durch Senken der Körpertemperatur sparen.

Dennoch verbrauchten die Schlangen in der Hungerphase deutlich weniger Sauerstoff, womit eine Reduktion des Stoffwechsels um 72 Prozent einherging. Wie die Tieredas machen, ist noch nicht geklärt.

Was können wir daraus lernen?

Im übertragenen Sinn verändern sich Märkte bzw. der wirtschaftliche „Lebensraum“ der Unternehmen und die ökonomisch veränderten Bedingungen zwingen ganze Branchen zu einem konsequenten Umdenken. Viele Unternehmen wollen das nicht wahrhaben und halten konsequent an alten Strukturen und Prozessen fest. Ihnen entgeht völlig, dass sie längst zu einer „bedrohten Art“ geworden sind und verschlafen die Chance, sich neu zu definieren.

Die folgende Grafik veranschaulicht sehr deutlich die Disruption ganzer Branchen:

Infografik – Disruption

Veränderte Bedingungen

Die Umwelt als äußere Bedingung und Treiber des Unternehmens verändert sich, wobei sich einzelne Faktoren gegenseitig beeinflussen. Als offenes System ist ein Unternehmen mit ihr verbunden und von ihr abhängig, so dass alte Erfolgsfaktoren in einer veränderten Umwelt nicht mehr tragen.

Wir erleben gerade eine Zeit revolutionärer Brüche, die sich in krisenhaften Verunsicherungen und Erscheinungen ausdrücken. Alte Bearbeitungsmuster zerbrechen und die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens hängt in starkem Maßvon der Fähigkeit ab, neue Strategien zu entwickeln, um sich dem veränderten Wettbewerbzu stellen.

Fazit

Als Unternehmen sollten Sie auf keinen Fall der Überlebensstrategie der Kreuzotter folgen, auf „Standby“ schalten und Ihre Aktivitäten und Energie senken. Sie würden damit Ihren Markt aufgeben und Ihren eigenen Untergang einleiten. Vielmehr sollten Sie sich den veränderten Bedingungen stellen und den Wandel als generelle Kompetenz Ihres Unternehmens begreifen, auch auf die Gefahr hin, den Wettbewerb damit zu beeinflussen und den Wandel zu beschleunigen.

Ein Unternehmen sollte ständig in der richtigen Beziehung zu seiner Umwelt stehen, indem es Strategie, Struktur und Prozesse verändert.

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