WER HAT’S ERFUNDEN?

Heron und der Geist der digitalen Transformation

Ende des 17. Jahrhunderts zeichnete sich ab, dass Muskel-, Wasser- und Windkraft nicht mehr ausreichten, die immer größer werdenden Arbeitsmaschinenan zutreiben. Die Erfindung der Dampfmaschine ermöglichte den Einzug in die Industrialisierung. Dafür gilt unser Dank dem schottischen Erfinder James Watt. Oder etwa nicht?

Ohne das Verdienst des berühmten schottischen Erfinders schmälern zu wollen, war es leider anders. Watt hat zwar mit seinen zahlreichen Erfindungen die industrielle Nutzung der Dampfmaschine möglich gemacht, doch ihr Erfinder war er nicht. Tatsächlich perfektionierte er die Dampfmaschine von Thomas Newcomen. Dieser hingegen bediente sich der Erkenntnisse von Thomas Savery, der wiederum seine Entwicklungen auf die Forschung des Franzosen Denis Papin stützte – dem wirklichen Erfinder der Dampfmaschine.

Doch stimmt das so?

Als wäre das alles nicht schon verwirrend genug, ist das leider auch nur ein Teil der Geschichte. Denn die eigentliche Erfindung der Dampfmaschine fand bereits 1.600 Jahre früher statt!

Ob Sie es glauben oder nicht – schon in der Antike gab es Automaten wie Dampfmaschinen und WC-Spülungen, deren Vorläufer bereits um die Epoche des Hellenismus entstanden. Zu der Zeit war Alexandria kulturelle und wissenschaftliche Hochburg Griechenlands. Ihre geistigen Väter waren Erfinder, Mathematiker und Ingenieure wie Philon von Byzanz, Ktesibios und Heron von Alexandria.

„Die Technologie der Automaten diente zur Bewunderung“, meint Dimitri Kalligeropoulos*. „Offenbar kam niemand auf die Idee, die Automaten nur zur Arbeitserleichterung einzusetzen.“

*Geschichte der Technologie und derAutomaten – (Verlag Synchrone Ekdotike, Athen 2005)


Heronsball – https://de.wikipedia.org/wiki/Heronsball

So erging es auch dem Heronsball, auch als Aeolipile bekannt, eine von Heron von Alexandria beschriebene Maschine, die die Expansionskraft von Wasserdampf und das Rückstoßprinzip demonstriert. Kurzum im erweiterten Sinn: die erste Dampfmaschine.

Doch warum kam damals niemand auf die Idee, die Automaten Arbeiten übernehmen zulassen, die von Sklaven oder Tieren verrichtet wurden? Ganz einfach: Anders als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bestand keine Notwendigkeit, etwas an den Verhältnissen zu ändern. Lasten- und Zugtiere, aber vor allem Sklaven, waren in ausreichendem Maß vorhanden und kosteten nicht viel. So ist es kein Wunder, dass niemand auf die Idee kam, die Automaten als Arbeitserleichterung einzusetzen. Obwohl es also schon in hellenistischen Zeiten möglich war, Bewegung durch Dampf zu erzeugen und mit geschlossenen Regelsystemen zu arbeiten, fand die industrielle Revolution, die zu einer tiefgreifenden und dauerhaften Umgestaltung der wirtschaftlichen sowie sozialen Verhältnisse führte,  erst viele Jahrhunderte später statt.

Anmerkung: Mich erinnert das in gewisser Hinsicht an die heutige Situation in manchem Unternehmen. Dort scheut man sich davor, die notwendigen Entscheidungen zu treffen und neue Technologien einzuführen, die das Unternehmen dringend benötigt, um am Markt überleben zu können. In meinem Post „Et hätt noch immerjot jegange!“ habe ich darüber berichtet. Man weiß sehr wohl, dass es gute Möglichkeiten gibt, vertraut aber lieber darauf, alles beim Alten zu lassen und abzuwarten und nimmt lieber die negativen Auswirkungen in Kauf, bevor man ein Risiko eingeht. Aber so mancher Geschäftsführer erkennt ganz einfach auch die Notwendigkeit nicht.

Vor der ersten industriellen Revolution entstand der überwiegende Teil der Wertschöpfung in der Landwirtschaft, der Rest war Handwerk und Handel. Nichts davon ist völlig verschwunden, aber in der Landwirtschaft wird heute nicht einmal ein Prozent! der Bruttowertschöpfung erbracht. Trotzdem muss niemand hungern, und ein dicht besiedeltes Land wie Deutschland kann sich praktisch selbst ernähren. Die erste industrielle Revolution hat die Landwirtschaft marginalisiert, und die Wertschöpfung ist aus der Landwirtschaft in die Industrie abgewandert, und mit ihr die Arbeitskräfte. Das alles führte zu einer stark beschleunigten Entwicklung von Technik, Produktivität und Wissenschaften. Heute – in der zweiten industriellen Revolution –  gehtes darum, die digitale Transformation voranzutreiben. Der Grund liegt darin, dass die digitale Transformation die Wertschöpfung digitalisiert. Das betrifft alle und alles – Menschen, Branchen, Produkte, Leben, Jobs. Deshalb wird es zwar weiterhin analoge Dinge, Produkte und Lebensformen geben, doch deren relativer Wert sinkt im Vergleich zu digitalen Produkten dramatisch.

Die zweite industrielle Revolution

 Heute ist es nichtdie Landwirtschaft, die verdrängt wird, sondern die Industrie, die schrumpftund nach Asien abwandert. Der Dienstleistungssektor hingegen wächst kontinuierlich. Zum Teil nimmt dieser Prozess dramatische Ausmaße an und wird zutreffend als „De-Industrialisierung“ beschrieben, mit drastischen Folgen für viele Regionen und Beschäftigte.

Auch ein starker Industriestandort wie Deutschlander bringt heute nicht einmal mehr 30 Prozent der Bruttowertschöpfung in der Industrie, dafür fast 70 Prozent im Dienstleistungssektor, wo fast 75 Prozent aller Beschäftigten arbeiten. Die Produktivität der Beschäftigten ist in der Industrie zwar etwas höher als im Dienstleistungsbereich, aber nicht entscheidend. Zu den Dienstleistungen zählen auch relativ einfache Tätigkeiten,was den Schnitt nach unten zieht. Solche Jobs wurden in der Industrie längst schon wegrationalisiert. Auf der anderen Seite gehört auch viel gut bezahlte KnowledgeWork zum Dienstleistungssektor. Die digitale Transformation hat nicht erst gestern damit begonnen, den drei Sektoren Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistung Wertschöpfungsanteile abzunehmen. Wir können das nur noch nicht so gut messen. Allein die ITK-Industrie kommt nach offiziellen Zahlen bereits auf fast fünf Prozent der Bruttowertschöpfung, noch vor dem Maschinenbau.

Der Digitalisierungsgrad der deutschen Wirtschaft lag 2016 bereits bei 55 von 100 möglichen Punkten.  Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Wertschöpfung heute schon zu etwa 50 Prozent mit digitalen Angeboten erwirtschaftet wird. Ein Industrie-Schwergewicht wie Audi-Vorstandschef Rupert Stadler sagt, dass sein Unternehmen in Zukunft 50 Prozent der Umsätze mit digitalen Diensten machen will! Würden sich die Statistiker also irgendwann dazu durchringen können, die digitale Wirtschaft als eigenen Sektor auszuweisen, dann wäre der digitale Sektor auf jeden Fall heute schon eine der größeren Säulen im Diagramm. Anders gesagt: Die Wertschöpfung wandert schon längst in Richtung „Digital“, während Dienstleistungen, Industrie und Landwirtschaft entweder digital oder weiter marginalisiert werden. Dieser Prozess bedeutet mit zwingender Logik, dass Arbeitsplätze verschwinden werden.Und zwar genau diejenigen, deren Wertschöpfung durch die Digitalisierung substituiert wird. In Analogie zur industriellen Revolution ist also der Begriff „Digitale Revolution“ durchaus angebracht.

Ein weiterer Aspekt, der Unternehmen dazu bewegt, die digitale Transformation aktiv voranzutreiben, ist die Chance, ihre Markenidentität und ihre Inhalte weltweit einheitlich zu positionieren und so das globale Kundenerlebnis entscheidend zu verbessern. Auch im internationalen Kontext gilt: Wer Kunden stärker binden will, benötigt etwas, womit er sie binden kann – und das ist nun einmal „Content“.

Das CMS kann als ideale Plattform genutzt werden, um Menschen, Prozesse und Systeme rund um den so wichtigen Content zu orchestrieren. Beispielsweise ist Mehrsprachigkeit eine große Herausforderung: Etwa 45 Prozent der Befragten stellen ihrer Zielgruppe Inhalte in zwei bis fünf oder sogar noch mehr Sprachen bereit. Für viele Unternehmen stehen vor allem die Kunden und ihre Bedürfnisse klar im Fokus. Für ganze 63 Prozent der Befragten ist die Aussicht, die Customer Experience entscheidend zu verbessern, der Beweggrund schlechthin, um ihre Initiative für digitale Transformation voranzutreiben. Diese Tatsache überrascht wenig: Infolge der Digitalisierung hat sich die Zahl der Touchpoints zum Kunden vervielfacht. Vor allem digitale Kanäle wie die eigene Webseite, E-Mail-Marketing oder Social Media sind inzwischen erfolgsentscheidend.

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