FAMILIENTREFFEN MIT HINDERNISSEN

Wie in jedem Jahr fand im Mai unser obligatorisches Familientreffen an der Ostsee statt. Da ein Teil unserer Verwandtschaft aus Essen anreiste, wurde eine Fahrgemeinschaft gebildet, um auch den ökonomischen Aspekt nicht aus dem Auge zu verlieren. Hört sich simpel an, doch hier trat bereits das erste Problem auf. Da mein Schwager mit seinem Opel Corsa nicht von Essen nach Dortmund fahren wollte, um seine Schwester abzuholen, musste diese zunächst mit ihrem Wagen nach Essen fahren. Das sind immerhin hin und zurück 72 Kilometer, ganz zu schweigen von mehr als einer Stunde Fahrzeit.

Wie auch immer, man startete pünktlich zur vereinbarten Zeit, um bereits vor Münster festzustellen, dass die A1 Richtung Hamburg aufgrund des Feiertagverkehrs stark frequentiert war. Welche Überraschung! Meine Schwägerin hatte die Idee, die Autobahn nach 10 Kilometern Stau zu verlassen und einer Nebenroute zu folgen, doch diesen Plan musste man sehr schnell verwerfen, dader Wagen meines Schwagers über kein Navigationssystem verfügt. Dazu später mehr …

Doch so schnell wollte meine Schwägerin nicht aufgeben. Denn wozu hat man schließlich Google Maps installiert? Noch während sie die Zieladresse eingab,wurde ihr im Display angezeigt, dass der Akku nur noch über 5 Prozent Ladekapazität verfügt. Doch auch das sollte kein Problem sein, schließlich hatte sie ja in weiser Voraussicht das Ladekabel mitgenommen. Sie konnte allerdings nicht ahnen, dass der Adapter nicht kompatibel war. Dazu muss man wissen, dass der Opel Corsa seinerzeit als Nichtraucherversion für den spanischen Markt produziert worden war und die ersten Jahre seines Lebens unter glühender Sonne auf der iberischen Halbinsel verbracht hat. Zigarettenanzünder, USB-Anschluss – Fehlanzeige!

Wohl oder übel quälte man sich weiter durch den zähen Verkehr und erreichte nach fast 8 Stunden das erste Etappenziel. (Anmerkung: Normalerweise benötigt man für die Strecke maximal 4 Stunden!) Hier wurde für einige Stunden Station gemacht, um den 90. Geburtstag meiner Mutter mitzufeiern. Am Abend ging es dann weiter in Richtung Ostsee. Ein Bekannter, der zufälligerweise auch in die Richtung fuhr, bot sich an vorauszufahren und meinem Schwager den Weg zu weisen, da dieser Sorge hatte, sich in der Dunkelheit zu verfahren. Der Bekannte verschwieg allerdings, dass er in einem anderen Ort wohnt, und so fuhr mein Schwager einen Umweg von ca. einer Stunde, bis er am Abend endlich am Zielort ankam.

Am nächsten Tag war ein Ausflug mit mehreren Fahrzeugen geplant. Wir saßen zur Vorbereitung gemütlich in einem Cafe, als mein Schwager eine alte, zerfledderte Straßenkarte auf dem Tisch vor sich ausbreitete und meinte: „Das ist mein Navi!“

„Moment mal!“, sagte ich und zog die Karte zu mir herüber. „Was ist denn das? Da ist janoch die DDR mitsamt der ehemaligen innerdeutschen Grenze drin?!“

Später stellte sich heraus, dass die Karte aus den frühen 70ern des letzten Jahrhunderts stammte und logischerweise die Autobahnen und Straßen, die seitdem gebaut wurden, nicht enthielt …

Hier beende ich meinen Bericht und erspare Ihnen die Diskussion, die sich unter lautem Gelächter im Anschluss entwickelte. Das Beispiel habe ich gewählt, weil es mich an die Situation und die Gespräche mit Unternehmen erinnert, in denen die digitale Transformation nur schleppend voran geht. Gründe dafür sind oft die Angst vor Fehlentscheidungen und das Verharren in alten Mustern. Bloß nicht innovativ sein und nichts Neues wagen. Und meistens liegt es an den Entscheidern, die den Wandel bremsen. Dabei ist das Hauptproblem der langsam fortschreitenden Digitalisierung in Unternehmen, dass dort zu viel Angst herrscht. Dabei mangelt es nach meiner Ansicht oft nicht an der Technik und anden Rahmenbedingungen, um eine digitale Innovation umzusetzen.

Die Digitalisierung bietet immense Möglichkeiten, die aber Entscheidungen erfordern. Doch leider werden diese nur selten gefällt. Dabei geht es nicht um eine einzige Entscheidung für den digitalen Wandel. Die Entscheider müssen eine große Summe an „Micro-Entscheidungen“ treffen. Und das täglich.

Denn es geht dabei darum, sich für das Neue und gegen das Alte auszusprechen. Allerdings sind die Risiken beim Neuen größer. Aus Angst vor möglichen Fehlern wird das Alte dann als nicht so schlecht bewertet und beibehalten. Das bedeutet im gleichen Zug, dass sich das Unternehmen nicht weiterentwickelt. Auf lange Sicht kommt das in der heutigen Zeit einer Bankrotterklärung gleich.

Aber nicht nur das Verharren in alten Mustern führt zum Stillstand. Auch ein „Leadership-Defizit“ kann die Veränderung blockieren. Firmen sollten heute mehr auf Führungskräfte als auf Management setzen. Denn: Leader“do the right things“, Manager „do the things right”.

Durch die digitale Transformation hat das Tempo der Veränderung rasant zugenommen und der Druck auf die Unternehmen wächst. Wir unterstützen Sie gerne bei der Digitalisierung Ihrer Geschäftsprozesse oder bei Fragen zu SAP Hybris und E-Commerce.

P.S.: Mein Schwager will demnächst ein neues Auto kaufen. Und ob Sie’s glauben oder nicht – diesmal mit Navi!

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