DISRUPTIV

Ein Erklärungsversuch

„[…] Anhand von disruptiven Technologien wird greifbar, in welch dramatischem Wandel sich unsere Welt befindet. Angst davor zu haben ist aber sicher derfalsche Weg. […]“

Das las ich neulich in einem Artikel und fragte mich, was heißt denn eigentlich „disruptiv“ im Zusammenhang mit der „Digitalen Transformation“, über die die ganze Welt redet.

Der Duden beschreibt es als Adjektiv, das kaum im sprachlichen Gebrauch Verwendung findet und nennt zwei Beispiele:

Da hilft Wikipedia dann schon eher weiter. Dort wird die „Disruptive Technologie“ als eine Innovation bezeichnet, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig verdrängt.

Weiter ist zu lesen, dass das Prinzip auf Clayton M. Christensen zurückgeht, der an der Harvard Business School lehrt.

„[…] Disruptive Innovationen sind meist am unteren Ende des Marktes und in neuen Märkten zu finden. Die neuen Märkte entstehen für die etablierten Anbieter in der Regel unerwartet und sind für diese, besonders auf Grund ihres zunächst kleinen Volumens oder Kundensegmentes, uninteressant. Sie können im Zeitverlauf ein starkes Wachstum aufweisen und vorhandene Märkte bzw. Produkte und Dienstleistungen komplett oder teilweise verdrängen.

Disruptive Technologien sind etablierten Produkten anfangs meist unterlegen. Beispielsweise waren die neuen „Flash-Speicher“ den klassischen „Festplatten“ in Bezug auf Kapazität, Zuverlässigkeit und Preis anfangs klar unterlegen, deshalb wurden weiter Festplatten in PCs eingebaut. Weil Flash-Speicher jedoch sehr klein sind und wenig Energie verbrauchen, werden sie in neuen Gebieten eingesetzt, etwa in „USB-Sticks“, in „Digitalkameras“ und in „MP3-Playern“ und inzwischen auch in Laptops als Ersatz der traditionellen Festplatten. Aufgrund des großen Erfolgs in den neuen Märkten setzen zwei Entwicklungen zugunsten der disruptiven Technologie ein: Die Absatzzahlen von Flash-Speichern steigen, wodurch die Preise fallen und die Speicher immer besser werden. […]“

Auch andere Beispiele werden genannt, wie z.B. VoIP, die Halbleitertechnik, Desktop-Publishing und die Compact Disk sowie das Smartphone. Doch die o.g. Erklärungen bzw. Begriffsbeschreibungen treffen nicht den Kern, da der Begriff „disruptiv“ immer im Zusammenhang mit der „Digitalen Transformation“ gesehen werden muss. (Lesen Sie dazu auch meinen Post 6 „Draußen nur Kännchen!“ Dort habe ich den CEO der Accounto Technology AG, Alain Veuve, zitiert, der schon allein die Wahl des Begriffs „Digitale Transformation“ kritisiert.)

Schöne neue Welt?

Wir leben in einer komplizierten Welt, wer wollte das bestreiten? Die sich offensichtlich widerstreitenden Interessen unterschiedlicher Fachbereiche eines Unternehmens fordern permanent neue Regeln. Um einen Ausgleich der Interessen bemüht, stehen häufig Unternehmenslenker, Abteilungsleiter und Entscheider zwischen Baum und Borke.

Die wenig hilfreiche Verklausulierung von Sachverhalten, die technische Sprache, der Verzicht auf Zusammenhang: all dies führt dazu, dass sich nur noch vermeintliche Experten mit den konkret zur Entscheidung stehenden Sachverhalten auskennen. Es wird immer schwieriger sicherzustellen, dass ein künftiger Prozess nicht dem heutigen Ablauf widerspricht. Doch ist das überhaupt der richtige Ansatz?

Regelmäßig stoßen betriebliche Veränderungsprozesse an Grenzen. Die Mitarbeiter leisten Widerstand und stellen sich gegen die Änderungen. Wie gehen Führungskräfte mit einer solchen Situation um? Zunächst gilt es zu erkennen: Widerstand ist menschlich und ganz normales Element aller Veränderungsprozesse. Wer dies versteht und die Ursachen des Widerstands erkennt, kann diesen auch überwinden.

Stellen Sie sich folgendes vor: Eine Führungskraft ist in den letzten Jahren immer wieder selber von Veränderungen in Strukturen, Prozessen und Systemen betroffen und muss zudem die Umsetzung dieser Veränderungen durch die Mitarbeiter sicherstellen. Diese Führungskraft ist häufig in einer unangenehmen Sandwich-Position: oben drüber erwarten die Geschäftsführung und die Vorgesetzten die Umsetzung der Veränderung und unten drunter haben die Mitarbeiter gegensätzliche Interessen.

Wie entkommen Sie diesem Dilemma?

Menschlich gesehenDrei Tipps, die „Disruption“ zu meistern

  • Warnen Sie vor: Informieren SieIhre Mitarbeiter frühzeitig über geplante Änderungen und betonen Sie dabei, dass es erst in einigen Monaten soweit sein wird. Damit geben Sie ihnen ausreichend Zeit, um sich darauf einzustellen.
  • Lassen Sie Ihre Mitarbeiter zu Wort kommen: Die Mitglieder Ihres Teams sollten Meinungen und Gefühle offen aussprechen können. Negativität darf zwar nicht überhand nehmen, doch der Austausch über ihre Besorgnisse trägt zur Minderung von Ängsten bei.
  • Beteiligen Sie alle an der Veränderung: Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter möglichst weit ins Änderungsmanagement ein. Verhindern Sie Widerstand z.B. beim Rollout einer Software-Lösung, indem Sie einige der Bedenkenträger in die Testphase mit einbinden. Wahrscheinlich verfügen diese sogar über einen guten Durchblick und helfen so dabei, den Übergang reibungsloser zu vollziehen.

Vier deutsche Unternehmen mit Erfolg

Die digitale Transformation ist die Antwort der Wirtschaft auf die Veränderungen im digitalen Zeitalter und steht für Erfolg. Es gibt bereits seit vielen Jahren sehr gute Beispiele aus Industrie und Handel, wie in großen und in kleinen Unternehmen der Wechsel in die Digitale Welt gelingen kann. Ich stelle hier vier Beispiele aus Deutschland vor, die den Umwandlungsprozess und die Disruption auf unterschiedlichste Art gemeistert haben.

Hamburger Hafen

Der zweitgrößte Containerhafen Europas in Hamburg hat ein Problem: Sein Platz ist begrenzt. Daran ändert natürlich auch die digitale Transformation nichts. Aber sie hilft, das abgesteckte Areal bestmöglich zu nutzen und den Güterumschlag zu optimieren. Deshalb hat die zuständige Hamburg Port Authority (HPA) in Kooperation mit SAP und der Deutschen Telekom die IT-Logistikplattform „Smart Port Logistics“ auf den Weg gebracht. Mit ihrer Hilfe…

  • erhalten LKW-Fahrer Informationen zu Aufträgen und zur Verkehrslage in Echtzeit,
  • werden Staus im Hafen und auf dem Weg dorthin verringert,
  • Wartezeiten verkürzt und so
  • der Warenumschlag beschleunigt.

Wie andere deutsche Unternehmen setzt HPA auch auf den Einsatz mobiler Endgeräte. Ihre Informationen erhalten die LKW-Fahrer per Tablet oder Smartphone.

DriveNow

Ebenso auf Mobile Devices fußt das Konzept von DriveNow. Das von der Kfz-Schmiede BMW, deren Tochter Mini und dem Autovermieter Sixt an den Start gebrachte Carsharing-Projekt, ist ein Paradebeispiel für die digitale Transformation. Über eine entsprechende App können Nutzer per Smartphone …

  • Fahrzeuge finden
  • buchen und
  • die anfallenden Mietgebühren direkt bezahlen.

Durch die digitale Transformation des Unternehmens und die erfolgte Umstellung von den analogen Mitgliedskarten auf die App im September 2014 profitiert das deutsche Unternehmen. Zusatzkosten für Herstellung und Verwaltung der Mitgliedskarten fallen nun weg.

Deichmann

Mut im Hinblick auf die digitale Transformation bewies auch Deichmann: Als erster Schuhhändler in ganz Deutschland eröffnete das Familienunternehmen im Jahr 2000 einen Onlineshop. Inzwischen ein alter Hut, werden Sie sagen. Nicht aber, wenn wir berücksichtigen, dass der Schuhgigant im Herbst 2015 zwei weitere Digitalisierungsprojekte an den Start gebracht hat:

  • Mit dem Click & Collect-Service können Kunden Schuhe online bestellen und zur Abholung in eine lokale Filiale liefern lassen.
  • Ship2Home dagegen ermöglicht die Bestellung von Schuhen über eine lokale Filiale und die anschließende Lieferung nach Hause. Für das deutsche Unternehmen ist die Fortführung der digitalen Transformation logische Konsequenz. Immerhin verbucht das Unternehmen im Online-Sektor „durchweg zweistellige Zuwachsraten“, wie das Unternehmen selbst angibt.

Rewe

Ein gutes Beispiel für die digitale Transformation in deutschen Supermärkten stellt Rewe dar, auch wenn der Lebensmittelkonzern im Vergleich zu anderen Konkurrenten vergleichsweise spät auf die Digitalisierungsspur eingebogen ist. Inzwischen kann sich das Angebot allerdings sehen lassen. Nach einem Online-Bestellservice, über den sich Kunden über das Internet ihren Einkauf zusammenstellen und bequem nach Hause liefern lassen können, wurden mittlerweile auch zahlreiche Kassensysteme in den Rewe-Filialen auf den neuesten Stand gebracht und ermöglichen nun auch die Bezahlung per Smartphone.

Einen ähnlichen Pfad haben übrigens auch die Discounter Lidl und Aldi eingeschlagen: Flächendeckend wurden Filialen mit Kassensystemen ausgestattet, die „Mobile Payment“ ermöglichen. Die Vorteile: Mobile Payment sorgt für eine schnellere Abwicklung des Bezahlvorgangs. Somit verkürzen sich langfristig die Wartezeiten an den Kassen,was zu einer höheren Kundenzufriedenheit führen wird.

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